Auch 2021: Verschiebung in den Oktober


Auf Grund der anhaltend prekären Pandemie-Lage sehen wir uns gezwungen, das Off Europa-Festival zu verschieben. Wie bereits im letzten Jahr wird der Festivaljahrgang 2021 nicht wie gewohnt im Mai stattfinden, sondern voraussichtlich zwischen 18. und 24. Oktober.

Off Europa 2021 KREUZER Anzeige Mai
Anzeige im Leipziger KREUZER, Mai 2021 © Gestaltung Gabi Altevers, Motiv: Oren Laor in "The Third Dance"

Der Jahrgang 2021 ist nicht wie sonst einem einzelnen Land gewidmet, sondern wird eine Auswahl von Inszenierungen aus ganz Europa präsentieren, die wir bei unseren Sichtungen in den letzten Jahren bemerkenswert fanden. „Meisterstücke“, wie der Festivaluntertitel schon sagt.
Glücklicherweise können wir davon ausgehen, fast alle der im Mai geplanten Aufführungen im Oktober zeigen zu können.
Wir halten Sie über alle unsere Kanäle auf dem Laufenden.

Essay von Anna Królica


Ende Januar ist ein dreiseitiger Essay über "Off Europa: Identität Polska" in der polnischen Zeitschrift Teatr erschienen.
Die Tanzhistorikerin und Kritikerin Anna Królica schreibt unter der Überschrift Polnische Identität im Schatten des Virus" unter anderem…

„Man kann nur bedauern, dass die Pandemie es unmöglich machte, das vollständige Programm zu zeigen. In seiner Gesamtheit präsentiert, hätte sich ein noch klareres Bild ergeben, z. B. durch die weiblichen Stimmen in Renata Piotrowska-Auffrets „Leakka z mnie złota“ (The pure Gold is seeping out of me”) oder Agata Molągs „Dobre wychowanie" (Gutes Benehmen), oder der meisterhaft gespielten Improvisation „Ewa i On“ (Ewa und Er) von Iwona Olszowska und Paweł Konior.
Bildschirmfoto 2021-02-05 um 15.38.05

Das Festival trug dazu bei, einen Blick auf die zeitgenössischen darstellenden Künste Polens freizugeben - es sprach über Abgründe, Fantasien und Forschungen. Die Vielfalt der Annäherungen dieser Mikro-Erzählungen an das „Polentum", das „Polnisch-Sein" war ein Gewinn des Festivals, auch im Hinblick auf frühere Vorhaben, die auf die Präsentation von Werken polnischer Künstler in Deutschland konzentriert waren.

Und so bekamen wir, ähnlich wie beim Projekt „Klopsztanga - Polen Grenzlos 2012", nicht nur ein Bild von bestimmten ausgewählten Formen, sondern konnten ein Nebeneinander verschiedener Traditionen, Ästhetiken, künstlerischer Zugriffe und verschiedener Bereiche der Kunst erleben."

"The Leipzig Glocal" on TAKI PEJZAŻ


"TAKI PEJZAŻ, the final performance of the Off Europa dance and performance festival, took me from weary to energized in 60 minutes. In the new normal, I had actually been mourning my former self. I was glad to find her again…if only for a moment." —> read more

Maeshelle West-Davies auf The Leipzig Glocal über den letzten Abend von "Off Europa: Identität Polska", über eine faszinierende Performance von Agata Maszkiewicz und auch ein wenig über ihre Liebe zu "Off Europa" generell.

Agata Maszkiewicz Taki pejzaż © Grit Friedrich 7 web
Foto © Grit Friedrich

Meisterstücke. Im Mai 2021


"Off Europa: MANöVER Meisterstücke", unsere 30. Festival-Ausgabe, soll zwischen 15. und 23. Mai 2021 stattfinden. In Leipzig, Dresden und Chemnitz.


Das Foto zeigt Niv Sheinfeld und Oren Laor aus Israel in einem der geplanten Meisterstücke, "The Third Dance", das wir im besten Fall in allen drei Städten zeigen werden.
Das Foto stammt von Efrat Mazor. Die Gestaltung der Karte von Gabi Altevers.

Off Europa 2021 Postkarte Vorschau

Update Programmheft-pdf


Hier ist das angekündigte aktualisierte .pdf des Programmhefts von "Identität Polska".
Stand 16. Oktober. Unser Live-Programm beginnt am Mittwoch, dem 21. Oktober bei
Thaler Originalgrafik mit Out of Season - Undancing Vivaldi, das Filmprogramm schon zwei Tage zuvor in der Cinémathéque.
In Chemnitz läuft der erste
Film am Mittwoch.

Über den Link unter dem Bild lässt sich das .pdf im Browser ansehen - und wenn gewünscht downloaden.
Cover Update Prigrammheft 2020
Programmheft ansehen

Programmänderung im Theater der Jungen Welt


Eine Programmänderung jenseits von COVID-!9: Der Tänzer Dariusz Nowak musste sich am Knie operieren lassen, so dass wir die Aufführung
into me, see aus dem Programm nehmen müssen.
So traurig das ist… wir wünschen Gute Genesung.


Was tun? Wir verlieren unser schönstes Gastspiel - und holen unser leidenschaftlichstes zurück. Karol Tymińskis This Is A Musical - bei Off Europa 2020 ursprünglich nur in Dresden geplant (weil schon einmal in Leipzig gezeigt) - wird nun neu im Doppelprogramm mit Jumpcore von und mit Paweł Sakowicz am Freitag, dem 23. Oktober im Theater der Jungen Welt zu sehen sein.
Nicht einfach ein Ersatz - das wird nun ein ein völlig anderer Abend.
Wir freuen uns darauf.

This-Is-A-Musical-2-by-Mirko-Fahr
This Is A Musical gastierte bereits im Sommer 2017 in Leipzig bei P-Bodies #02. Foto © Mirko Fahr

Verlegung in den Oktober


Off Europa Neuer Termin

Mit Hilfe unserer Partner in Leipzig + Chemnitz war es glücklicherweise möglich, für einige der eingeladenen Aufführungen im Zeitraum 19. - 24. Oktober Ersatztermine zu finden.
In Dresden muss das Off Europa-Festival des Jahres 2020 wegen fehlenden Terminkapazitäten leider ersatzlos ausfallen.

Hier geht es zum aktualisierten (Haupt)Programm.

Knut Geißler auf Fragen zu Sichtung und Programm


Während des Lockdowns, im April, als noch nicht klar war, ob das Off Europa: Identität Polska" stattfinden kann oder nicht, führten die polnische Tanzkritikerin und Kuratorin Anna Królica und Festivalleiter Knut Geißler eine längere Unterhaltung via eMail.
Hier die Antworten von Knut Geißler zu Sichtung, Organisation und Programm.


Anna Królica:
Chciałam ciebie jeszcze zapyta, o kryteria twoich wyborów, kiedy myślałeś i tworzyłeś program?
Ich möchte Sie gern nach den Kriterien fragen, als Sie über das Programm nachgedacht und es entwickelt haben?


Knut Geißler:
Bei Off Europa geht es in jedem Jahr vor allem darum, zu beobachten, zuzuhören, zu erfühlen, was das jeweils ausgewählte Land ausmachen könnte. Mit einem Blick von Außen, vom Jemandem, der zunächst wenig weiß. Ein möglichst langes Tasten, so aufgeschlossen wie möglich, ohne Erwartungen, ein allmähliches Ansammeln von Wissen. Ein langsamer Prozess, der auf seine Reife wartet - und am Ende auf Veröffentlichung drängt.
Abgesehen davon ist das Land nur ein äußerer Rahmen, ein Anlass, ein Bezugsrahmen, der ab irgend einem Moment etwas von seiner Wichtigkeit verliert, das Programm im besten Fall nur noch sanft umgibt. Wenn die ersten Arbeiten ausgewählt sind, treten die Künstler in die erste Reihe, ihre Geschichte, ihre Arbeitsbedingungen, beinahe automatisch bildet sich eine Art Koordinatensystem, wo sich alle folgenden Arbeiten einreihen, platziert werden. Eine Art Erzählung beginnt sich herauszubilden mit der ein Kurator oder Programmgestalter zunehmend weniger zu tun hat. Er/sie tritt sozusagen hinter dem Ergebnis seiner Recherche zurück. Also... es gibt keine festen Kriterien. Bei Off Europa geht es um anhaltende Neugierde. Um Suchen und Finden.

Tanzplattform Bytom Iza Szostak Balet koparyczny
Iza Szostak: Balet koparyczny (Ballett der Bagger) auf der Polnischen Tanzplattform 2017 in Bytom
© Festival Off Europa / Knut Geißler


Anna Królica:
Jak odczytujesz narracje, stworzoną dzięki Twoim zaproszeniom konkretnych artystów i ich spektakli na festiwal Off Europa? Jaki obraz może zobaczyć widz/publiczność?
Wie lesen Sie die Erzählungen, die durch Ihre Einladungen bestimmter Arbeiten zum Festival Off Europa entstanden sind? Welches Bild kann das Publikum sehen?

Knut Geißler:
Es sind Segmente von Gesellschaft, auch Zeitläufe, die ich hier abgebildet sehe. Das bereits angesprochene „Polska“ von Agata Maszkiewicz beleuchtet eine gewisse Ratlosigkeit mit der eigenen Identität, schon Wojtek Ziemilski geht mit zehn Jahren Abstand in „Essence of Poland“ völlig anders, anders selbstbewusst mit seinem Land um. Agata Maszkiewiczs „Taki pejzaż“ erweitert diesen Blick noch einmal in die Zukunft, sucht nach Verbündeten und Kommunikation, hat also ganz klar utopisches Potential. Insbesondere Renata Piotrowska-Auffret erzählt in „The pure gold is seeping out of me“ sehr viel über polnische Gegenwart, die immer natürlich auch eine (mittel)europäische ist, Sicher werden nur wenige Zuschauer ein solches Festival mit all seinen Aufführungen verfolgen, und werden solche Bögen nicht immer nachvollziehen können. Aber immerhin die Möglichkeit ist gegeben. Die Spuren sind ausgelegt.

Anna Królica:
Jak wyglądał proces poznawania polskiej sceny tańca i poszukiwania konkretnych twórców lub ich spektakli do Twojego programu Off Europa Festival?
Wie war der Prozess des Kennenlernens der polnischen Tanzszene und der Suche nach bestimmten Künstlern oder ihren Arbeiten für Ihr Off Europa Festival-Programm?

Knut Geißler:
Wie gesagt war das eine lange Reise. Von großen Festivals zu vielen kleineren, kuratierten Veranstaltungsreihen und einzelnen Aufführungen. Viele Gespräche, Videostudium von älteren Aufführungen. Man prüft zunächst alles, wovon viele Leute reden. Muss sehen, ob es tatsächlich Sinn macht, so etwas dann im Ausland zu zeigen. Oft ist eine unbekanntere, vielleicht auch kleinere Arbeit interessanter, aussagefähiger, mutiger. Diese allerdings muss man erst einmal finden.

Anna Królica:
Czy polscy choreografowie są dobrze znani w Niemczech? Czy Off Europa Festival ma dodatkowe zadanie, aby odkryć przed widzami nieznaną jeszcze część tanecznej społeczności, i jej sposobami odczuwania, przeżywania i komentowania rzeczywistości?
Sind polnische Choreograph:innen auch in Deutschland bekannt? Hat das Off Europa Festival auch die Aufgabe, den Zuschauern bisher unbekannte Bereiche der Tanzszene vorzustellen und zu zeigen, auf welche Art und Weise gefühlt, erlebt und die Wirklichkeit kommentiert wird?

Knut Geißler:
Natürlich sind polnische Künstler in Westeuropa unterwegs. Aber außerhalb besonders interessierter, eingeweihter Kreise sind sie selten bekannt. In diesem Sinne machen wir als Festival auch keinen Unterschied zwischen etablierteren und weniger bekannteren Künstlern. Junge, aufstrebende Künstler zu finden und zu fördern ist immer wunderbar, aber auch für die bekannteren ist Off Europa ein guter Ort, ihre Arbeiten einem neugierigen, vorurteilsfreien Publikum zu präsentieren.

Anna Królica:
Jak zmieniła pandemia Twoją koncepcję festiwal?
Wie hat die Pandemie Ihr Festivalkonzept verändert?

Knut Geißler:
Ich will nicht zu viel versprechen, die Unsicherheit bleibt. Falls sich die Verschiebung in den Oktober realisieren lässt, werden wir das Programm in Leipzig und Chemnitz weitgehend erhalten können. In Dresden konnten wir keine Ersatztermine finden, so dass die Gastspiele dort überwiegend ausfallen müssen. Das trifft vor allem „Dobre wychowanie“ und „This Is A Musical“. „Kukulka“ kann möglicherweise nachgeholt werden, während es „The pure gold is seeping out of me“ nun nur noch in Leipzig geben wird. Das ist für alle Beteiligten sehr traurig und insbesondere der Vernetzungs- und Nachhaltigkeitsgedanke des Festivals wird etwas beschädigt. Die Hoffnung auf den Oktober in Leipzig und Chemnitz ist immerhin ein kleiner Trost.