Interview für den Leipziger Kreuzer


Antworten auf Fragen von Torben Ibs an Knut Geißler im Zusammenhang mit einem Artikel im Septemberheft des Leipziger Kreuzer...

Was treibt dich an, jedes Jahr durch entlegene Regionen zu ziehen, um Theater zu schauen?
Knut Geißler: So entlegen ist das ja meistens gar nicht. Mir geht es darum eine Balance zu finden, nicht nur für das Festival, auch für mich selbst. Natürlich trieb mich die Neugier nach Albanien, in das Kosovo oder vor zehn Jahren nach Serbien. Aber ebenso möchte ich das wenig bekannte Naheliegende entdecken wie demnächst die Slowakei oder vor zwei Jahren die Tschechische Republik. Damals hatte ich im Programmheft geschrieben dass es bei wirklichem Interesse an darstellender Kunst nicht immer Berlin sein muss. Großartiges Theater, jede Menge guten Tanz findet man praktisch um die Ecke auch in Prag.
Abgesehen davon macht es Spaß, einmal im Jahr eine Art theatrales National-Team präsentieren zu können.

Stanica 2
Stanica 2, ein Theaterneubau aus Bierkisten, Stroh und Lehm im slowakischen Žilina.

Was war dein skurrilstes Erlebnis, deine seltsamste Performance, der ungewöhnlichste Ort?
Knut Geißler: Einer der schönsten Momente war 1999 als die Techniker eines rumänischen Stadttheaters auf dem Gelände von KAOS in Lindenau in zwei Tagen eine Art Arche gebaut haben. Jeden Nagel, jedes Stück Draht hatten die dabei. Bei der dritten Aufführung waren so viele Zuschauer an Bord, dass die schwimmende Bühne beinahe untergegangen wäre. Gefunden hatten wir die Inszenierung in einem früheren Ceauşescu-Refugium am Rande der Ostkarpaten wo Zimmermädchen und Köche für den Regierungschef permanent in Bereitschaft waren, er aber der Legende zu Folge niemals dort auftauchte.

Welches Land, das jetzt nicht in den klassischen Rahmen fällt, würdest du gerne mal besuchen und zu „Off Europa“ holen?
Knut Geißler: Ich will nicht so weit gehen zu behaupten dass mir das Land egal ist. Aber ich mag vor allem den Vorgang der Tiefenforschung. Bei fast „null“ anzufangen und dann Schritt für Schritt Leute, Orte, Rahmenbedingungen, Inszenierungen kennenzulernen. Europa muss ich dabei nicht verlassen. Da warten noch Länder wie die Ukraine oder Weißrussland. Aber solch eine Recherche riecht nach anderthalb bis zwei Jahren. Und die habe ich - allein, mit stark begrenztem Budget – eigentlich nicht.

Was für ein Theater gefällt dir in Deutschland?
Knut Geißler: Es gab ja in einundzwanzig Jahren MANöVER / Off Europa immerhin fünf deutsche Ausgaben. Und da erschienen Künstler wie Stefan Pucher, Albrecht Hirche, Sebastian Hartmann oder „She She Pop“ Jahre bevor sie richtig bekannt wurden. Im Moment fehlt mir für Theater aus Deutschland jegliche Leidenschaft. Das Festival hat ja nicht ohne Grund seinen Namen geändert. Mich interessiert nicht was man überall kriegen kann, sondern das, was man findet wenn man sucht. Im Off, am Rand. Und ich weiß nicht, ob es in Deutschland so etwas Kraftvolles gibt wie Belgrads „Plavo pozorište“, etwas schräg Verspieltes wie Handa Gote aus Prag oder um auf dieses Jahr zu kommen so etwas Intensives wie Çağlar Yiğitoğulları oder „oyun deposu“ aus Istanbul.

Wenn du nicht gerade Festivals planst, was sind deine Hobbys und Betätigungen?
Knut Geißler: Ich plane immer Festivals. Scheint Arbeit, Leben und Hobby zu sein. Aber nein. Ich würde gern auch wieder inszenieren. Wieder mal nach Bosnien fahren. Und mit einem Kajak auf rumänischen Flüssen.

Mit welcher Theatergruppe warst du damals mit dem Stück „Rattenjagd“ auf Tour?
Knut Geißler: Das war in einem anderen Land. Lassen wir sie ruhen, die abgespielten Theaterstücke.

Die Fragen stellte Kreuzer-Autor Torben Ibs im August 2012.

Gespräch mit Ilyas Odman


Aus einem Gespräch mit dem Istanbuler Choreographen und Tänzer Ilyas Odman, der bei
Off Europa: Türkei urban" am 17. September in Leipzig und am 19. September in Dresden mit seinem Erfolgsstück Glassteps" gastieren wird.

Kannst du mit ein paar Sätzen deine Arbeitsbedingungen beschreiben?
Ilyas Odman: Ich bin einer der unabhängigen Künstler in Istanbul der glücklich ist über die Arbeitsbedingungen, und das wegen meiner Strategie, die ich versuche zu erhalten. Ich versuche einfach die Orte an denen ich arbeite in Räume für zeitgenössische Kunst zu verwandeln. Angefangen habe ich in Kargart, einem kleinen Kulturort. Ich produzierte dort Stücke und habe junge Künstler eingeladen aufzutreten. Nachdem das erfolgreich war, habe ich es immer so gehalten. Ich gebe Unterricht, beteilige mich auch an Mainstream-Arbeiten, und mittlerweile habe ich meinen eigenen Bereich wo ich produziere und mit anderen Künstlern Arbeit teile.

Ilays Odman in Cam Adimlar

Gibt es genügend Nachfrage für Gastspiele im Ausland?

Ilyas Odman: Meine Tourneen ins Ausland sind meine Haupteinnahmequelle. Bis jetzt war ich in Amsterdam, Utrecht, Paris, Turin, Mailand, Bra, Bologna, Catania, Mazedonien, Berlin, Saragossa, Huarte, Antwerpen. In der Türkei sind Istanbul, Ankara und Eskişehir die wichtigsten Städte. Wichtig sind auch die Residenzprojekte zu denen man eingeladen wird.

Wie findest du finanzielle Unterstützung?
Ilyas Odman: Wenn ich nicht im Ausland arbeite, als eingeladener Künstler oder in einer Residenz, habe ich keine finanzielle Unterstützung. Die Regierung, die Kulturverwaltung erkennt uns freie Künstler nicht an, weil wir keine Institution sind – und unterstützt uns nicht.

Du sprachst vorhin - etwas aufgebracht - auf dem Podium über einen "Vorteil in einer Situation der permanenten Benachteiligung"...
Ilyas Odman: Nach der letzten „Attacke“ der Kulturverwaltung auf die Stadttheater ist klar, dass Künstler unter dem Dach einer staatlichen Organisation keine zeitgenössische Kunst machen können. Es gibt keinen Nachteil oder Vorteil mehr unabhängig zu sein – das ist in diesen Tagen die einzige Art Kunst zu produzieren in der Türkei.

Du bist also "frei" zu tun was du möchtest, aber auch "frei" von Unterstützung. Denkst du dass deine Arbeit eine andere Authentizität vorweisen kann als die wohl behüteten, oft sehr gut geförderten, clever geplanten Theaterarbeiten im Westen Europas in ihrem oft seltsamen System von Orten, Produzenten, Kuratoren und Stiftungen?
Ilyas Odman: Wir können nicht leugnen, dass es so aussieht als ob die „türkische“ Identität ein neues, charmantes Konzept für den „europäischen“ Kunst-Sektor ist. Die neue Definition der Ränder Europas schafft ein solches Interesse. Das wiederum übt manchmal einen Druck auf die Künstler aus, weil diese fühlen, dass sie gerade zu dieser Identität produzieren sollten.

Die Fragen stellte Knut Geißler im April 2012 in Istanbul.

Der Trailer zu "Türkei urban"


Der Trailer zum Festival...


© lnrdshelby 2012

Programmheft fertig...


Das Programmheft zu „Off Europa: Türkei urban" ist fertig entworfen.
Gestaltung wie in den letzten Jahren immer durch Gabriele Altevers.
Gedruckt wird erstmals bei der Firma Koch in Halberstadt.

Motiv

Hier können Sie das Programmheft als pdf herunterladen.
Wenn Sie es zugesendet haben wollen senden Sie uns eine kurze Nachricht.

Plakat für "Türkei urban"


Das Plakat jetzt in endgültiger Version.

Off Europa 2012 Plakat A1
Gestaltung Gabriele Altevers nach einem Foto von Nina Lili Friedrich

Letzte Einladungen zu "Türkei urban"


Das Programm steht: Die letzten Einladungen zu Türkei urban" gelten ganz bewusst Künstlerinnen und Künstlern mit türkischen Wurzeln die in Städten wie Amsterdam, Berlin oder Hamburg leben und arbeiten, und in einigen Fällen auch schon außerhalb der Türkei geboren wurden.

Türkei stimmt in diesen Fällen nur bedingt, urbane Ausstrahlung und Qualität haben die eingeladenen Künstler in jedem Fall: Hip-Hopper Volkan T. (nur in Dresden), der Tänzer/Performer/Choreograph Melih Gençboyacı (in beiden Städten) und die Choreographinnen Begüm Erciyas, Canan Erek und Nebahat Erpolat (nur in Leipzig) komplettieren das Programm von „Off Europa", vom 15. - 21. September in Leipzig und Dresden.

Nebahat Erpolat web
Foto: Nebahat Erpolat in „Cultural Memory"

Szene Baltikum II


Noch ein Gipfeltreffen:
Alle drei Regisseure, die vor nunmehr 17 Jahren bei MANöVER 95 (Off-Theater und Tanz aus Ljubljana) im Leipziger Werk II gastierten sind beteiligt an einer lettisch-slowenischen Gemeinschaftsarbeit der Produzenten Lettisches Theaterinstitut (Riga) und Bunker (Ljubljana), die am Sonntag, dem 13. Mai im Dresdner Societaetstheater gezeigt wird.


Während Matjaž Pograjc schon damals der auch diesmal beteiligten Company BETONTANC vorstand und mit "Every Word A Gold Coin's Worth" und "Know Your Enemy", im oktoberkühlen Leipzig erstaunliche Empathie und in Teilen Begeisterungstürme auslöste, beeindruckte der Choreograph und Tänzer Branko Potočan in und mit "Who drew the Ski-Jump for Mr. Stanko", einem athletisch bis gefährlich vertanzten Alpenpanoptikum. Der Regisseur (und sehr gefragte) Bühnenbildner Tomaž Štrucl blieb mit seiner Juppy/Model-Studie "Cliopatra"etwas blasser, war und ist aber ein ebenso wichtiger Bestandteil des Theater/Tanz/Performance-Kosmos der slowenischen Hauptstadt.

showyourface

Stefan Kanis schrieb Ende 1995 für Theater der Zeit:
Das Konzept der MANöVER-Festivals scheut Weltläufigkeit um ihrer selbst Willen wie das gebrannte Kind das Feuer. Es begibt sich auf die Suche nach Inszenierungen, die auch und gerade in hoher Künstlichkeit, von der Präsenz des Außerkünstlerischen inspiriert, spiritualisiert, auch vergewaltigt werden. (...) Das Festival wechselt jährlich zwischen deutschen Off-Theater-Produktionen und einer konzeptuell focusierten Umschau im Ausland. Diese Konturierung ist noch jung, verspricht allerdings fruchtbarer zu werden als der Gemischtwarenladen des großen, ungleichen Leipziger Bruders euro-scene. Das 95er Festival unternahm den Versuch, aus der reichen Szene Ljubljanas, Hauptstadt des als Nationalstaat jungen Sloweniens, einen repräsentativen Querschnitt vorzustellen.

Mit BETONTANC ist Spitzenniveau des europäischen Bewegungstheaters vertreten, die Gruppe tourt weltweit. Die Compagnie Branko Potocan gehört zum Spektrum einer sich auf hohem Niveau formierenden, eine eigene Sprachlichkeit ausprägende Tanzszene. Die angry kids des Glej-Theaters schließlich erweisen sich als die sterilen Darsteller ihrer eigenen Schönheit, wie sie das Programm unumwunden ankündigt. Ihre „Show“ dürfe gerade deshalb bei einer halbwegs vollständigen Repräsentation der theatralen Verständigungsformen Ljubljanas nicht außer Acht gelassen werden. Selbst die unbeholfene Affirmation der MTV-Kultur, in der sich die angry kids gefallen, spiegelt noch etwas von den Qualitäten, die in ganz anderer Ausprägung und Meisterung die beiden anderen Compagnien auszeichnen: Beschäftigung mit Inhalten, mit Sujets heißt hier zuallererst Überwindung des alltäglichen Umgangs, der alltäglichen Form, diese Probleme, Inhalte zu denken und zu artikulieren.
Die einprägsamste Sprache findet dabei die seit 1990 zusammenarbeitenden Akteure von BETONTANC. (...)

BETONTANC ist eine vergleichsweise junge Gruppe. Der große Preis beim internationalen Choreographiewettbewerb in Bagnolet mit „Every Word A Gold Coin’s Worth“ 1992 öffnete den Slowenen den Zugang zu den großen Festivals, rückte eine Region ins europäische Interesse, die seit den 80er Jahren wohl ausschließlich mit dem Exportartikel „NSK“, der Neuen Slowenischen Kunst, verbunden wurde. Drei Jahre später hat BETONTANC nun einen zweiten Teil erarbeitet: „Know Your Enemy!“ ist mehr als die optische Drehung der Wand. Es ihre Auflösung als ideologische Regel, als nationale und familiäre Struktur. 1995 – Ljubljana ist im Westen angekommen, fast.
Regisseur Matjaz Pograjc will ein Theater, das schreit, nicht spricht. Schreien und Erzählen begegnen sich in der Körpersprache von BETONTANC. Der Grat ist schmal, die Berührung des einen durch das andere gelingt nicht immer. Es ist eine Arbeitshaltung, die durch ihren sensiblen, unprätentiösen Ernst überzeugt, wenngleich sie sich kritischen Fragen des Publikums nach der Vorstellung kaum öffnet.

150 Leute haben sich in Leipzig die beiden Vorstellungen angesehen. Dem Auswärtigen scheint das gering, zur Premiere von „Know Your Enemy!“ waren in Hannover an zwei Abenden je 400 Menschen gekommen. (...) Für die Messestädter ist „Off“ als ästhetische und kulturpolitische Kategorie, eine kleine Schar von Eingeschworenen ausgenommen, Terra incognita – es mangelt an gutem Beispiel. In Leipzig ist kein einziges Freies Theater ansässig, das überregional Bedeutung hätte. Ob die mit viel Idealismus in einem alten Kino installierte Schaubühne Lindenfels neue Akzente setzen will und kann, bleibt abzuwarten. Der Ruf des Poetischen Theaters, der ehemaligen Bühne der Universität, ist manchem wohl noch im Gedächtnis – allein, die heutige Arbeit kann an diese Qualität längst nicht anknüpfen. Dies muß nicht verwundern: Die Subventionspolitik der öffentlichen Hand treibt die Freie Theaterarbeit konsequent in die Selbstausbeutung. Von 200 Millionen jährlichem Kulturetat fließen lediglich 3,5 Millionen in die freie Kulturförderung. Davonbleiben für die Projektförderung Theater gerade mal 120.000 DM übrig!
Nicht einmal genug, um den Status quo zu halten. Von Entwicklung ganz zu schweigen. Auch der Hauptförderer des MANöVERS sitzt mit der Stiftung Kulturfons an der Spree. Die Bachstadt setzt unterm Signum der Tradition auf Musik(theater)förderung – alles andere bringt weniger Standortprestige und rangiert unter ferner liefen. Diese Situation spiegelt sich im Negativ gerade in der euro-scene Leipzig. Mit dem merh als zehnfachen Etat des MANöVERS zeigt dieses Festiavl jährlfich im Herbst „zeitgenössisches europäisches Theater“. Zu sehen sind, wie auf etlichen anderen Festivals auch, Tanztheater und –Performances aus Europa. Nicht mehr und nicht weniger. (...)

Der vollständige Text von Stefan Kanis findet sich hier...

Über die aktuelle Arbeit schrieb die Chicago Tribune:
BETONTANC zeigt Gewalt als Wirklichkeit der Welt und Zärtlichkeit als den Zustand der Seele. (...) Ich kann den rätselhaften und furchtbar traurigen Star von SHOW YOUR FACE einfach nicht vergessen, obwohl der Typ eine Puppe ist und nicht einmal ein Gesicht hat.

Szene: Baltikum


Sehenswert: Der estnische Tänzer und Choreograph Mart Kangro - mit der gleichen Inszenierung vor elf Jahren in Leipzig zu
MANöVER 2001 - Baltic Games" eingeladen - zeigt bei Szene: Baltikum" am 8. Mai im Dresdner Societaetstheater sein Solo Start: Based on a true Story".

Mart Kangro schrieb damals in seinen Materialien: "Ich möchte nicht definieren, ob das Theater oder Tanz ist. Entscheidend ist, dass das Publikum etwas zum Sehen und zum Denken bekommt..., und dass ich etwas zu sagen habe."

mart

Wir schrieben 2001 in unserem Vorwort...
"In der Bordzeitschrift der tschechischen Airline CSA findet sich ein verhalten empörter Hinweis darauf, dass der geographische Mittelpunkt Europas nicht in Prag, sondern in Litauen 24 Kilometer nördlich von Vilnius liegt. Bis nach Vilnius muss man dann auch fahren, um mal wieder ein Tanzfestival ohne E.X.T.E.N.S.I.O.N.S. und ReKonstrukt, ohne Gottvater Bel und Fußballfan Lehmen (...) erleben zu können.
Der neue baltische Tanz und seine Ausstrahlung ist jung, so jung, dass beim Theaterfestival in Vilnius gastierende Künstler wie Jo Stromgren, Sasha Papelyajev und Ingun Bjornsgaard geradezu als Routiniers bestaunt werden.
Priit Raud, Ausrichter der baltischen Bagnolet-Plattform und in Tallinn u.a. Chef des Festivals 2. tants, setzt neben dem Import stilbildender Vorbilder auf die Eigeninitiative seiner Tänzer. Wer im Ausland nach eigener Auswahl (und oft auf eigene Kosten) in einer Company arbeitet, kehrt verändert nach Hause zurück. Priit Raud glaubt an einen estnischen Tanzboom, der quantitativ längst existiert. Er glaubt so sehr daran, dass er seinen Künstlern Zeit zur Reife zugesteht.
Beim Festival in Vilnius war der wirklich junge Tanz in das Rahmenprogramm verbannt. Im Nationalen Drama Theater gab es - vor vielen Ausländern im Publikum - Etabliertes: Helsinki City Theater Tanz Company, CandoCo Dance aus England, Ingun Bjornsgaard, das Royal Danish Ballet, die Kibbutz Contemporary Dance Company und die großen einheimischen Ensembles wie Aura aus Kaunas oder Olga Zitluhina aus dem lettischen Riga.
Wahrscheinlich weil es in Tallinn solche Aktivisten wie Priit Raud und das “Von Krahl Theater” gibt war unsere Suche dort am Ergiebigsten. In Tallinn fanden im Jahre 1980 die Segelwettbewerbe der Olympischen Spiele von Moskau statt. Jetzt, im Oktober 2001, hat das LOFFT die Spiele. Die Baltischen."

Und wieder elf Jahre später... lohnt eben auch eine Reise nach Dresden.

Česká taneční platforma


Anknüpfend an den Beitrag vom Februar:
Das bei Mala inventura" gern gesehene Tanzstück "Kolik váží vaše touha?" (Wieviel wiegt deine Sehnsucht?) der Prager Company VerTeDans" wurde mittlerweile auch im Rahmen der Tschechischen Tanzplattform" gezeigt und ist unter den Nominierten für das Tanzstück des Jahres".

Lucia Kašiarová, eine der Mitwirkenden, ist außerdem als „TänzerIN des Jahres" nominiert.
Die Preise werden im Rahmen von Tanec Praha (4. - 29. Juni) vergeben.

vase touha

Auf der Suche


Kurze Visite in Prag beim Festival
Malá inventura"... auch um Kontakte in die Slowakische Republik für den Jahrgang 2013 zu knüpfen. Dabei gab es mindestens drei bemerkenswerte Abende zu erleben.

„Kolik váží vaše touha?" (Wieviel wiegt deine Sehnsucht?) fragen vier Tänzerinnen der Company „VerTeDans" im Theater Ponec, Prags wichtigster Spielstätte für zeitgenössischen Tanz. Und exerzieren mit wenig manieriertem, konsequent eingesetztem Bewegungsmaterial einen ganzen Kosmos von Befindlichkeit und zwischenweiblichen Beziehungen. Frau bietet sich an oder nimmt was sie kriegen kann, fügt sich Schmerzen zu oder küsst, wirkt bestimmt oder hilflos. All das in dramaturgischen Schleifen, die sich zunehmend verdichten und verschärfen. Da ist die exzellente Band ZRNÍ hinter dem Vorhang beinahe überflüssig, aber von den Zuschauern eine gern genommene Zugabe.
Konzeptioneller und auf andere Weise hoch politisch Veronika Švábovás Beschäftigung mit der eigenen Familie. Entschuldigend und stolz zugleich fällt am Anfang der Satz "Bei uns wurde nie etwas weggeschmissen." Die Bühne eine Versuchsanordnung aus Technik und Erinnerungsmaterialien, aufwändig und virtuos bedient, animiert von Švábovás Mitstreitern von der Künstlergruppe „Handa Gote". Beinahe kühl wird berichtet von der Stigmatisierung und letztlich Vernichtung von Teilen der Familie durch die deutschen Besatzungsmacht, von der Urgroßtante, die eine Muse Leoš Janáčeks gewesen war, oder vom Bruder des Großvaters, der nach dem zweiten Weltkrieg in einem Schauprozess angeklagt wurde. Kein Dokutheater, eher eine Doku-Installation, manche mögen das beklagen - in jedem Fall sind die Biographien, die Fülle des Materials beindruckend, zum Mitdenken herausfordernd.

Mraky

Bleibt zu berichten von einem Gipfeltreffen des raben-schwarzen tschechischen Humors, von „Plošina" (Plattform), wo fünf Männer, abgeschieden von der Gesellschaft auf einer Bohrinsel/Eisscholle/im Atomkraftwerk Arbeiten - und letztlich Zusammenleben üben. Ein Fehler in den Abläufen lässt das zunächst strukturierte Geschehen auf der Bühne aus dem Ruder laufen, Flachpaletten beginnen zu tanzen, ein Kopierer macht sich selbstständig. „Wariot Ideal" nennt sich die Gruppe, und sie hat ein poetisches Märchen über den Albtraum Existenz kreiert, wo nicht ein Wort gesagt werden muss - und alle Fragen auf angenehmste Weise offen bleiben.

Let' go (2): Zittau


Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Das seit 2007 alle zwei Jahre geplante Festival des Sächsischen Landesverbandes Freier Theater hätte 2011 in Leipzig stattfinden sollen. Weil hier aber niemand so richtig veranstalten wollte, versuchten zunächst ein paar Aktivisten aus Dresden in die Bresche springen, bevor der Vorstand des Verbandes das Vorhaben zurück in die eigenen Hände nahm - und ein Stadttheater als Partner gewinnen konnte.
Nun findet OFF 11 in Zittau statt, am Gerhart-Hauptmann-Theater. Im Januar 2012.

Im Folgenden zitiert aus der Einladung: Vom 24. bis 27. Januar wird es "mit 13 Produktionen auf 3 Bühnen einen beachtlichen Querschnitt an Theaterschaffen in Sachsen" geben. Außerdem "3 Podien zu den Themen *Theater auf`s Land!*, *Theater in der Schule* und *Stadttheater und Freie Szene, Hand in Hand*, sowie einen *Marktplatz der Kooperationen* am 26. Januar, auf dem interessierte Mitglieder sich und ihre Projekte allen Festivalbesuchern, insbesondere den Teilnehmern des Sächsischen Bühnenvereins, vorstellen können."

Mit Inszenierungen eingeladen sind *Die Dramaten*, *Cindy Hammer*, *Liron Dinovitz*, das *Panische NoTheater*, die *shot AG*, *Mascara- Maskerade der 7 Todsünden*, *Armes Theater*, *Handa Gote* , die *Tanzcompany des Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau / wee dance company*, das *Büro für theatrale Strategien*, *Das Üz & die lekkere Compagnie* , sowie *Theaterschafft*.

Für den Landesverband ausgewählt und organisiert hat Michael Paul Milow (Büro für theatrale Strategien), seines Zeichens Schauspieler/Regisseur und Programm-Macher am Weltecho in Chemnitz.

Also... (sächsische Theater-) Kollegen: Akkreditieren lassen - und hinfahren. Und "die Schneeschuhe nicht vergessen, gilt doch Zittau als hervorragendes Langlaufgebiet!"