Festival
Gespräch: Ich mag kein lackiertes Theater
20.09.2010 13:29
Knut Geißler kennt die osteuropäischen Theater-Provinzen wie kaum ein Anderer. Der Leipziger kuratiert seit 18 Jahren das Festival „Off Europa“. In der kommenden Woche läuft in Leipzig und Dresden seine aktuelle Werkschau: in diesem Jahr mit Theater aus Tschechien. Stefan Kanis hat mit ihm gesprochen
Vor 20 Jahren ist die DDR dem Westen beigetreten. Fast ebenso lang gibt es bereits „Off Europa“? Was hat sich seither bewegt? Ist uns Ost-Europa nur anders fern als damals?
Ich glaube nicht, dass sich Deutschland wirklich bewegt hat. Osteuropa ist durch die Wende ja aufgesprengt worden. Das war sehr wohl eine Bewegung. Seit dem EU-Beitritt holen manche Länder stark auf, aber umso weiter südlich man kommt, desto fragiler wird das. Ich bemühe mich, genau hinzuschauen und mir die Frage zu beantworten: Wie generiert man Interesse für dieses andere? Im letzten Jahr, bei Bosnien, war es wichtig eine detaillierte Programmzeitung mit ein bisschen politischer Landeskunde zu machen. Das wurde gern gelesen. Im Falle des Nachbarlandes wie Tschechien wäre das anmaßend. Solche Sachen muss man bedenken.
Wie wird Freies Theater in Tschechien aufgenommen?
Tschechien ist uns als Nachbar insofern nah, als dass man Prag und Olomouc nicht vergleichen kann. Wie man Berlin und Wiesbaden nicht vergleichen kann. In Prag geht das Publikum mit großer Selbstverständlichkeit auch in kleine Theater, man spürt dort auch die Tradition dieser Bühnen. Es gibt auch nicht die Wahrnehmung: Das ist jetzt Off-Theater und irgendwie Kunst zweiter Klasse. Das ist schon ein Unterschied zu Leipzig.
Tschechiens Wirtschaft wächst kräftig. Die Menschen sprechen ein besseres Englisch als hierzulande. Ist Tschechien schon westeuropäischer als Ostdeutschland? Spiegelt sich das in den Produktionen?
Man muss die Produktionen von den Künstlern unterscheiden. Viele Tänzer und Performer in Tschechien verfügen über eine breite Workshop- und Ausbildungsbiografie, gerade weil man noch immer so eine unsichtbare Grenze überschreiten muss. Da sind die Deutschen bequemer. Und mit der Ausbildung in Amsterdam oder Kopenhagen wird natürlich auch der eine oder andere westeuropäische Trend kopiert. Aber das war eher ein Thema der späten Neunziger Jahre. Die Tschechen sind ein sehr eigenständig denkendes Volk. Und sie sind längst in der EU angekommen. Das wird dann auch nicht mehr andauernd problematisiert. Da interessiert die Künstler schon mehr die eigene Geschichte. Im Eröffnungsabend „Ekran“ spiegelt sich das über einen offenen Umgang mit den Dokumenten des vergessenen Alltags. Das wird nicht diskursiv zugespitzt, sondern bleibt in einer sympathischen Weise unabgerundet, sanft und witzig. Das ist dann doch sehr tschechisch.
Und das liegt Ihnen auch nahe?
Sicher. Ich mache bewusst einen Bogen um lackierte, auf Ergebnis hin inszenierte Produktionen. Ich liebe die kleineren Formen, ich brauche kein Theater, das aus dem Vollen schöpfen kann. Ich mag dieses kleinteilige Arbeiten und das findet man häufig in Prag.
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Veröffentlicht in der Leipziger Volkszeitung am 20. September 2010
Quelle: www.sperrsitz.net
Let' go (2): Zittau
21.11.2011 12:32
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Das seit 2007 alle zwei Jahre geplante Festival des Sächsischen Landesverbandes Freier Theater hätte 2011 in Leipzig stattfinden sollen. Weil hier aber niemand so richtig veranstalten wollte, versuchten zunächst ein paar Aktivisten aus Dresden in die Bresche springen, bevor der Vorstand des Verbandes das Vorhaben zurück in die eigenen Hände nahm - und ein Stadttheater als Partner gewinnen konnte.
Nun findet OFF 11 in Zittau statt, am Gerhart-Hauptmann-Theater. Im Januar 2012.
Im Folgenden zitiert aus der Einladung: Vom 24. bis 27. Januar wird es "mit 13 Produktionen auf 3 Bühnen einen beachtlichen Querschnitt an Theaterschaffen in Sachsen" geben. Außerdem "3 Podien zu den Themen *Theater auf`s Land!*, *Theater in der Schule* und *Stadttheater und Freie Szene, Hand in Hand*, sowie einen *Marktplatz der Kooperationen* am 26. Januar, auf dem interessierte Mitglieder sich und ihre Projekte allen Festivalbesuchern, insbesondere den Teilnehmern des Sächsischen Bühnenvereins, vorstellen können."
Mit Inszenierungen eingeladen sind *Die Dramaten*, *Cindy Hammer*, *Liron Dinovitz*, das *Panische NoTheater*, die *shot AG*, *Mascara- Maskerade der 7 Todsünden*, *Armes Theater*, *Handa Gote* , die *Tanzcompany des Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau / wee dance company*, das *Büro für theatrale Strategien*, *Das Üz & die lekkere Compagnie* , sowie *Theaterschafft*.
Für den Landesverband ausgewählt und organisiert hat Michael Paul Milow (Büro für theatrale Strategien), seines Zeichens Schauspieler/Regisseur und Programm-Macher am weltecho in Chemnitz.
Also... (sächsische Theater-) Kollegen: Akkreditieren lassen - und hinfahren. Und "die Schneeschuhe nicht vergessen, gilt doch Zittau als hervorragendes Langlaufgebiet!"
Let's go (1): Slovakia
21.11.2011 12:02
Es schwebten verschiedene Ideen im Raum für den Off Europa-Jahrgang, der sich 2013 an die türkische Ausgabe anschließen soll. Letztlich hat sich eine der vermeintlich unspektakuläreren durchgesetzt: Die Slowakei.
Gründe dafür gibt es einige: Der Wunsch - nach Albanien und der Türkei - den Ball wieder in ein anderes Feld Europas zu spielen, wodurch z.B. Bulgarien ausschied. Ehemaliges Jugoslawien etwas zur Seite zu schieben, was Kroatien aus dem Blick nahm. Eine "Hinwendung" zu Nordafrika weiterhin auszuschließen. Und/oder keine Lust auf (das aktuelle) Budapest, womit Ungarn vom Tisch war
Wir knüpfen also jetzt an die guten Erfahrungen des Jahres 2010 mit Tschechien im "Nahbereich" an. Und freuen uns auf Theaterorte wie Žilina oder Banská Bystrica. In denen - vor allem im Bereich Tanz und Performance - viel mehr passiert als man gemeinhin annehmen würde.
Farma v Jeskyni in Potsdam bei Unidram
06.10.2011 11:10
Schon im Programmheft von Off Europa 2010 (dem Jahrgang, der sich mit Tschechien beschäftigte) fand sich eine dringende Empfehlung nach Prag zu fahren, um "Divadlo" (Theater), die aktuelle Inszenierung von "Farma v Jeskyni" zu sehen. Ende 2010 bekam Regisseur Viliam Dočolomanský dann auch den "Europäischen Theaterpreis" für "Neue Realitäten im Theater".
Das Ensemble macht es nun etwas einfacher... kommt etwa 80, 90 km näher an Leipzig heran und gastiert am 2. und 3. November in Potsdam bei UNIDRAM.
Hier geht es zum Programm des Festivals...
Kritik: Shoshë im LOFFT
04.10.2011 12:34
"Flötentöne hauchen Windgeräusche, ein Piano spielt den Mond an, ein Tenor aus dem Off besingt ihn. Davon betört, geht der Mond gemächlich auf. Er zeigt sich in seiner ganzen Schönheit und hüllt den Raum in sein mystisches Licht. Vom Mond hypnotisiert, verlassen wir die Erde und tauchen ein, in einen anderen, grenzenlosen Raum. Wir fassen Fuß in einer Welt, die nach anderen Mustern funktioniert, von Gedichten, Musik und Bewegungen getragen wird und alle Sprachen spricht – in der Welt der Kunst."
Dass die Aufführung - trotz weniger Zuschauer in Dresden und auch in Leipzig - hörens- und sehenswert gewesen sein muss bezeugt die Besprechung von Sarah Schramm auf Leipzig Almanach...
Im Blick: Udhëtimet e Lizës
23.09.2011 13:27
"Es gibt Orte auf der Welt, über die man wenig bis gar nichts weiß. In Südosteuropa gibt es ein Land, das Albanien heißt und auf ein Gewohnheitsrecht zugreift, das so manche Zeitgenossin schlucken lässt. Es geht um Blutrache, Abtreibungen im fünften Monat, Vergewaltigung, Unterdrückung - mitten im 21. Jahrhundert."
Über die Aufführung Udhëtimet e Lizës (Alices Reisen) von Enton Kaca und Teatri i Ri aus Tirana schreibt Daniel Thalheim am 22. September in der Leipziger Internet Zeitung und auf Leipzig Almanach macht sich Alexandra Hennig Gedanken über "Macht, Ehre und Tod" - und über kulturelle Unterschiede.
Teatri Oda in Dresden
23.09.2011 13:18
"Albanien? Kosovo? Balkan. Krisengebiet. – Diese einfach abzuspulende Assoziation dürfte dominieren, würde man die Eingangsfragen nach besagten Ländern stellen. Aber was liegt eigentlich hinter den Schlagzeilen, hinter dem ganzen Es-wird-nur-berichtet-wenn’s-Tote-gibt? Wenn Landstriche medial so stark von einem Konflikt geprägt sind, finden dann andere Lebensumstände, die nichts mit einem schwelenden Streit um Grenzen und internationale Anerkennung zu tun haben, Kanäle, um über sich mitzuteilen? Vielleicht nicht in den Nachrichten. Im Theater schon."
Über die Aufführung Kanuni des Teatri Oda aus Prishtina schreibt Torsten Klaus am 21. September in den Dresdner Neuesten Nachrichten...
Mich langweilt diese ständige Gier nach Erneuerung
02.09.2011 09:04
Sein Fokus liegt auf östlichen Mitteleuropa sowie auf Südosteuropa. Dort gibt es spannendes Tanz- und Szenetheater. Der Leipziger Autor und Regisseur Knut Geißler veranstaltet seit 1992 jenes Tanztheaterfestival, das seit 2005 "Off Europa" heißt. Im L-IZ-Interview erzählt er wie sein Blick auf Albanien und Kosovo fiel und was er dort vorfand.
„Off Europa“ steht bald ins Haus mit einem Blick auf Albanien und Kosovo. Warum diese beiden Länder?
Prinzipiell gibt es sehr viele Länder, die mich brennend interessieren. Weil man im Normalfall wenig über sie erfährt. Da gerät logischerweise irgendwann auch Albanien in den Blick. Andererseits: Was Theater und Tanz betrifft, versuche ich früher da zu sein als die großen Veranstalter, die Künstler immer erst einladen wenn sie „geprüft“ sind und Erfolg versprechen. Ich prüfe lieber selbst. Im nächsten Jahr werde ich mit der Türkei zum ersten Mal einem aktuellen Hype hinterher recherchieren. Aber auch das wird interessant. Dann findet man die Dinge unter den Oberflächen. Politisch brisant wäre im Moment wohl Ungarn. Aber man kann sich nicht zerreißen.
Gibt es Unterschiede zu den anderen Staaten, die schon thematisch bei „Off Europa“ auftauchten?
Albanien und vor allem das Kosovo sind noch mehr „abgetrennt“ vom restlichen Europa als zum Beispiel Bosnien oder Serbien. Eine Folge der besonders extremen Auslegung des Sozialismus in Albanien und der letztlich „künstlichen“ Einbettung eines überwiegend von Albanern besiedelten Landstriches in die südslawische Föderation. Allein wenn man das so betrachtet ist die Loslösung und Unabhängigkeit des Kosovo folgerichtig. Genauso wie das Ausschließen einer albanischen Wiedervereinigung Unsinn ist.
Wie schätzt Du die (Tanz)-Theaterszene in Albanien und Kosovo persönlich ein - gibt es dort Entwicklungen, die neu oder anders sind als die im übrigen Europa?
Mich langweilt diese ständige Gier nach Erneuerung. Mich interessiert eher Vertiefung, das genauere Hinsehen. Und da gefällt mir die Gelassenheit, mit der man fast überall in Süd-Ost-Europa eigene Wege geht. Nichts unbedingt Neues erfindet, aber eben auch nicht jedem Trend hinterher hechelt.
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Die Fragen stellte Daniel Thalheim.
Quelle: www.l-iz.de
Videoclip zu univers shqiptar
31.08.2011 00:16
Jetzt ist auch das Video zum Festival da...
© lnrdshelby 2011
Interview Shekulli
30.08.2011 10:08
In der großen albanischen Tageszeitung Shekulli wurde am 26. August ein Interview mit Knut Geißler veröffentlicht. Ein Auszug...

Why this tribute to albanian culture?
Es ist die Neugier, die ein solches, eher kleines und spezielles Festival am Leben hält. Und die ständige Neuausrichtung. Natürlich nicht mit dem Finger auf der Landkarte, sondern geleitet von der Frage, was von Bedeutung, von Interesse sein könnte. Albanien ist in Zentraleuropa ganz sicher ein kommendes Thema. Und eine Beschäftigung mit Kunst und Kultur dann das Meinige.
What did you know before and now about this culture?
Wenn man wenig über ein Land weiß - das fängt ja bereits mit Geographie an und geht weiter über die Infrastruktur – ist meine Arbeit immer eine Entdeckungsreise mit großem Gewinn. Ich kannte zuvor nur sehr wenige Theaterkünstler, habe mich auf mehreren Reisen sozusagen heran gefragt, heran getastet, nach persönlichen Anknüpfungspunkten gesucht. Ich bin immer etwas skeptisch gegenüber diesen großen Institutionen und Autoritäten, die – wie Sie wissen – auch in Albanien das Theater in Wesentlichen ausmachen. Mein Eindruck ist, dass das Theater in Albanien vor allem eine Art „Dienstleistung“ ist. Wirkliche Kunst, Experimente sind die Ausnahme, sind Gelegenheiten vorbehalten, die keine bestimmten Erwartungen bedienen müssen.
Could you make any comparison between the projects from different parts of this world and how do they approache to albanian topics?
Da müsste ich zurück fragen, was ein typisches albanisches Thema wäre. Im Kosovo ist das sicher schon völlig anders als in Albanien selbst. In der Diaspora bleibt oft nur die Mitteilung, dass die... oder derjenige... „eigentlich aus Albanien stammt“. Deshalb spielte für mich jemand wie der in Frankreich lebende Choreograph Angelin Preljocaj auch keine Rolle, weil er wenig bis nichts mit Albanien zu tun hat. Ansonsten sehe ich mich nicht in der Situation etwas bewerten zu wollen. Ich versuche einfach das Land, die Kultur der Region über ihre zeitgenössische darstellende Kunst vorzustellen. Auch weil das sonst selten jemand tut.
Do you have know any clearer definition about albanian culture?
Ich kann nach drei Reisen nicht so tun als ob ich Ihr Volk, Ihre Kultur begriffen hätte. Ich habe nur ein ziemlich plastisches Gefühl dafür entwickelt, dass diese Phase großer Abschottung im Falle Albanien und die Auseinandersetzung mit (oder die Abgrenzung von) den Serben im Kosovo Ihr Volk sehr geprägt, möglicherweise auch sehr verändert haben. Und so etwas hat immer Einfluss auch auf Kunst und Kultur. Wenn man zu diesen Erfahrungen Ihre starken Traditionen hinzudenkt, den Familienzusammenhalt, auch den Stolz... dann ist das ein großer Schatz, ein Reservoir aus dem man als Mensch in einer sich immer ähnlicher werdenden Welt schöpfen kann.
Die Fragen stellte die Theaterredakteurin Elsa Demo.
Zum gesamten Artikel - natürlich auf albanisch - gelangen Sie hier...
Schau, schau.
01.07.2011 12:22
Jetzt ist es endlich raus. Das Programm von Off Europa 2011. Kurioserweise zeitgleich veröffentlicht mit dem der Leipziger euro-scene. Dort gibt es auch gleich eine mittlere Überraschung. Eröffnen wird diese nämlich unser bulgarischer Freund Ivo Dimchev. Und zwar im Gewandhaus. Fast so, wie es der Leiter des Dresdner Societaetsheaters im Jahr 2008 heraussprudelte: „Den müsste man in der Semperoper auftreten lassen". Gut, die ist es nun nicht geworden; in jedem Fall aber wünscht „Off Europa" den Flaneuren der Leipziger euro-scenen-Eröffnung eine entspannte Horizonterweiterung.
Keine Angst, Ivo Dimchev ist mittlerweile gut etabliert. Er tut auch niemandem was mit seinem „Concerto". Er trägt nur seine Haut zu Markte. Und seine Stimme. „Concerto" ist leichter goutierbar als die meisten anderen, seiner oft verstörenden Performances. Trotzdem ist Frau Wolff mutig, wenn sie Dimchev die große Bühne der Protokollstrecke Eröffnung überlässt. Denn Ivo Dimchev (als Künstler, als Körper, als Individuum) ist weit entfernt von dem Theater, nach dem in Leipzig im Moment am heftigsten gerufen wird. Das überschaubare, das geradlinige, das entgegenkommende. Ist ein ähnlich cooler Hund, wie einige von denen, die am Centraltheater in den letzten Jahren auf der Bühne geraucht oder mit dem Arsch gewackelt haben. Nur, dass er wirklich was riskiert. Und in der Lage ist, zu überraschen, auch und gerade wenn man ihn schon mehrfach beobachten durfte. Ja, und das ist im Theater dann doch eine Ausnahme.
univers shqiptar
01.07.2011 12:12
Es hat 'ne Weile gedauert, aber jetzt ist es fertig, das Programm von Off Europa 2011.
Die Welt der Albaner - sinngemäß - ist der Jahrgang untertitelt. Eine kleine Auswahl von (im weitesten Sinne) Theaterarbeiten aus Albanien und dem Kosovo.
Wer wird zu Gast sein, in Leipzig und in Dresden?
Prishtinas - nach dem Krieg mit privatem Geld gegründetes - einziges regelmäßig spielendes Freies Theater Oda ebenso wie Albaniens einziges Tanztheater. Dazu zwei ungewöhnliche, eher experimentelle Arbeiten: Der Versuch des jungen Regisseurs Enton Kaca, Theater anders als in Albanien gemeinhin üblich zu interpretieren und ein musikalisch-visuelles Gesamtkunstwerk der kosovarischen Musikerin und Konzeptkünstlerin Erëmira Çitaku.
Dazu Filme und Konzerte, Lesungen, Gespräche und anderes mehr.
Kurz: Ein kleines Festival wird versuchen zwei wenig präsenten Ländern Öffentlichkeit zu verschaffen.
Wir freuen uns auf aufgeschlossenes Publikum. Seit 2008 in immerhin zwei Städten.
Keine Albaner in Ljubljana
06.04.2011 14:36
Bei der Balkan Tanz Plattform vom 19. - 23. April im slowenischen Ljubljana werden leider keine Arbeiten aus Albanien oder dem Kosovo gezeigt.
Immerhin kann man Ivo Dimchev wiedersehen.
Mit Alper Marangoz, Çağlar Yiğitoğullarí und Sezen Tongus sind auch einige junge Choreographen/Tänzer/Performer aus der Türkei eingeladen. Das schafft etwas Vorlauf, denn „Off Europa" denkt darüber nach, sich im Jahr 2012 mit türkischer darstellender Kunst zu beschäftigen. Dabei sollen auch in Deutschland entstandene Arbeiten eine Rolle spielen.
Reiseberichte demnächst hier.
Inventur mit den üblichen Verdächtigen
08.03.2011 15:31
Ende Februar in Prag: Bei „malá inventura“ dem jährlich stattfindenden - wahrscheinlich wichtigsten - Festival des freien Theaters in Tschechien konnte man gleich mehrere Gäste von Off Europa 2010 wiedertreffen.
Das Festival wie immer breit über die Stadt und ihre sehr unterschiedlichen Spielstätten verteilt. Im Studio Alt@ konnte man Tereza Lenerová (zusammen mit Honza Malík von Nanohach) in „Brut“, einem Tanzstück des französischen Choreographen Fabrice Ramalingom sehen; am gleichen Abend gab es mit Tomáš Proházka, Vojta Švejda und Jan Kalivoda eine Art Gipfeltreffen der großen Absurden in „Wariot Ideal“. Nela Kornetová wuchtete ein Solo auf die Bühne im Tanzhaus Ponec, während Jiří Adámeks „Boca Loca Lab“ mit der Sprechperformance „Teritorium“ in der von Schließung bedrohten Innenstadt-Spielstätte NoD(y) konzertierte. Nicht zu vergessen im „Alfred ve Dvoře“ bei „Metal Music“ ein Wiedersehen mit Handa Gote.
Die Achse des Südens
10.11.2010 14:56
Off Europa 2010 ist Geschichte... die tschechischen Gäste haben sich gerade erst hinter die Grenze zurück gezogen, doch das UT Connewitz - in Person seiner regen Geschäftsführerin - verhandelt bereits über Termine für Off Europa 2011. Da trifft es sich gut, dass alle Anträge geschrieben - und erste positive Signale der Förderer zu vermelden sind.
Anfang Oktober, ein Treffen im Westwerk. Das LOFFT möchte das möglicherweise zu wenig „strahlende“ Off Europa seit Jahren (weiter-) entwickeln - und wollte 2011 im Westwerk ein Art Rundumbespielung eines zu erschaffenden „Planeten Albania“ übernehmen. Leider eignet sich der Ort nur teilweise für all das, was angedacht und möglich ist. Also werden es die über die ganze Stadt verteilten erprobten Partner sein, die Off Europa im September 2011 in ihren Räumen haben werden. Wie auch die Kinobar Prager Frühling, wo Inhaberin Miriam Pfeiffer schon seit geraumer Zeit nach albanischen Filmen Ausschau hält. Sicher, das LOFFT ist der ideale Gastspielort für das, was Off Europa am meisten interessiert, für zeitgenössische darstellende Kunst. Sonst aber empfiehlt Off Europa vor allem die kulturelle Süd-Achse der Stadt, das UT Connewitz und die Kinobar Prager Frühling. Dort passen unsere Aufführungen und Konzerte aus Georgien, Bosnien, Tschechien oder Albanien atmosphärisch am Besten hin; vor allem aber finden sich dort die neugierigen und aufgeschlossenen Zuschauer, die ein Vorhaben wie Off Europa dringend braucht. Und so sind wir froh, dass es dort weiter gehen wird mit der Zusammenarbeit.
Dresden schneller
20.12.2010 12:52
Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und das Amt für Kultur und Denkmalschutz der Landeshauptstadt Dresden haben Förderanträge für „Off Europa: Lajme nga Shqipëria / Nachrichten aus Albanien“ positiv beschieden.
Die Stadt Leipzig - seit vielen Jahren der größte Förderer - wird sich dafür wahrscheinlich bis März, April oder gar Mai Zeit lassen.
Seit Jahren ein Riesenproblem: Laut Richtlinien der projektbezogenen Förderung darf vor einer Bewilligung nicht mit dem Vorhaben begonnen werden. Vor der Bewilligung datierte Reise- oder Sachkosten sind nicht erstattungsfähig. Außerdem sind die Mittel bei den meisten Fördereinrichtungen an das Jahr der Veranstaltung(en) gebunden. Für ein Festival mit umfangreichen Sichtungen in wenig reflektierten Ländern eine schwierige Situation.
Dank der Dresdner Einrichtungen können wir unsere Zurückhaltung nun aufgeben. Und auch offiziell mit Recherchen beginnen.
Von Prag nach Tirana
04.01.2011 10:49
Nach einem hoch interessanten Jahr mit Recherchen in der unmittelbaren Nachbarschaft in Tschechien wird sich Off Europa 2011 mit Albanien beschäftigen. Die große Frage dabei: Wie sieht es aus mit Theater und Tanz jenseits der Institutionen in diesem viele Jahre völlig abgeschotteten Land?
Sicher ist, es gibt nur wenige unabhängige Körperschaften, kaum Veranstaltungshäuser - und jenseits von Pop und Kommerz kaum freie Produzenten. Hoffnung - wie so oft für Off Europa - eine nachdrängende akademische Jugend. Aber findet eine Beschäftigung mit, eine Suche nach zeitgenössischen Formen überhaupt statt? Was von den Übungen an der Akademie für Theater erblickt eine breitere Öffentlichkeit? Wie sieht es aus mit Videokunst und/oder elektronischer Musik? Ungeklärt im Moment auch ob sich die Sichtung auf den Staat Albanien beschränken wird oder im letzten Moment auch Prishtina und das Kosovo einbezogen werden.
Demnächst hier erste Erkenntnisse. Nachrichten aus Albanien.

