Sep 2011

Im Blick: Udhëtimet e Lizës


"Es gibt Orte auf der Welt, über die man wenig bis gar nichts weiß. In Südosteuropa gibt es ein Land, das Albanien heißt und auf ein Gewohnheitsrecht zugreift, das so manche Zeitgenossin schlucken lässt. Es geht um Blutrache, Abtreibungen im fünften Monat, Vergewaltigung, Unterdrückung - mitten im 21. Jahrhundert."

Über die Aufführung Udhëtimet e Lizës (Alices Reisen) von Enton Kaca und Teatri i Ri aus Tirana schreibt Daniel Thalheim am 22. September in der Leipziger Internet Zeitung und auf Leipzig Almanach macht sich Alexandra Hennig Gedanken über "Macht, Ehre und Tod" - und über kulturelle Unterschiede.

Teatri Oda in Dresden


"Albanien? Kosovo? Balkan. Krisengebiet. – Diese einfach abzuspulende Assoziation dürfte dominieren, würde man die Eingangsfragen nach besagten Ländern stellen. Aber was liegt eigentlich hinter den Schlagzeilen, hinter dem ganzen Es-wird-nur-berichtet-wenn’s-Tote-gibt? Wenn Landstriche medial so stark von einem Konflikt geprägt sind, finden dann andere Lebensumstände, die nichts mit einem schwelenden Streit um Grenzen und internationale Anerkennung zu tun haben, Kanäle, um über sich mitzuteilen? Vielleicht nicht in den Nachrichten. Im Theater schon."

Über die Aufführung Kanuni des Teatri Oda aus Prishtina schreibt Torsten Klaus am 21. September in den Dresdner Neuesten Nachrichten...

Post(er) aus Tirana


Udhetimet e Lizes web

verlinkt mit der Veranstaltung...

Mich langweilt diese ständige Gier nach Erneuerung


Sein Fokus liegt auf östlichen Mitteleuropa sowie auf Südosteuropa. Dort gibt es spannendes Tanz- und Szenetheater. Der Leipziger Autor und Regisseur Knut Geißler veranstaltet seit 1992 jenes Tanztheaterfestival, das seit 2005 "Off Europa" heißt. Im L-IZ-Interview erzählt er wie sein Blick auf Albanien und Kosovo fiel und was er dort vorfand.

„Off Europa“ steht bald ins Haus mit einem Blick auf Albanien und Kosovo. Warum diese beiden Länder?
Prinzipiell gibt es sehr viele Länder, die mich brennend interessieren. Weil man im Normalfall wenig über sie erfährt. Da gerät logischerweise irgendwann auch Albanien in den Blick. Andererseits: Was Theater und Tanz betrifft, versuche ich früher da zu sein als die großen Veranstalter, die Künstler immer erst einladen wenn sie „geprüft“ sind und Erfolg versprechen. Ich prüfe lieber selbst. Im nächsten Jahr werde ich mit der Türkei zum ersten Mal einem aktuellen Hype hinterher recherchieren. Aber auch das wird interessant. Dann findet man die Dinge unter den Oberflächen. Politisch brisant wäre im Moment wohl Ungarn. Aber man kann sich nicht zerreißen.

Gibt es Unterschiede zu den anderen Staaten, die schon thematisch bei „Off Europa“ auftauchten?
Albanien und vor allem das Kosovo sind noch mehr „abgetrennt“ vom restlichen Europa als zum Beispiel Bosnien oder Serbien. Eine Folge der besonders extremen Auslegung des Sozialismus in Albanien und der letztlich „künstlichen“ Einbettung eines überwiegend von Albanern besiedelten Landstriches in die südslawische Föderation. Allein wenn man das so betrachtet ist die Loslösung und Unabhängigkeit des Kosovo folgerichtig. Genauso wie das Ausschließen einer albanischen Wiedervereinigung Unsinn ist.

Wie schätzt Du die (Tanz)-Theaterszene in Albanien und Kosovo persönlich ein - gibt es dort Entwicklungen, die neu oder anders sind als die im übrigen Europa?
Mich langweilt diese ständige Gier nach Erneuerung. Mich interessiert eher Vertiefung, das genauere Hinsehen. Und da gefällt mir die Gelassenheit, mit der man fast überall in Süd-Ost-Europa eigene Wege geht. Nichts unbedingt Neues erfindet, aber eben auch nicht jedem Trend hinterher hechelt.

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Die Fragen stellte Daniel Thalheim.
Quelle: www.l-iz.de