Insel(n) des Trotzes

Riesenwandbemalung by Knut Geißler beschnitten
Großes Wandbild an der Panagi Tsaldari, dem ersten Teil der Piraeus Straße © Festival Off Europa / Knut Geißler

Im Athener Stegi, dem Kulturzentrum der Onassis-Stiftung, wird der gesamte Foyerbereich dominiert von einer mehrere Stockwerke hohen Wand. Bemalt mit Gold. Wer es schafft, dies freundlich zu interpretieren, denkt unweigerlich an einen Schutzraum. An eine rettende Insel in einem Meer aus Problemen.
Wie steht es um das griechische Theater? Es versucht zu überleben, und das mit großem Willen. Die Zahl der Veranstaltungsorte und festen Ensembles geht seit einigen Jahren deutlich zurück, es existiert auch keine nennenswerte Förderung mehr. Selbst große Institutionen wie zum Beispiel das Nationaltheater werden Stück für Stück vom Staat allein gelassen. Das Stegi und das immer noch sehr große Athen & Epidaurus Festival retten weiten Teilen der griechischen Theaterkünstler sprichwörtlich die Existenz. Das Wort „Krise“ können griechische Künstler trotzdem nicht mehr hören.

Onassis Cultural Centre by Knut Geißler beschnitten
Stegi © Festival Off Europa / Knut Geißler

Bis zu 1.500 Theateraufführungen entstehen in einer Saison in Athen. In kleinen bis kleinsten Theatern, in Wohnungen und alten Werkstätten, in Galerien, Klubs und aufgegebenen Supermärkten, auf Straßen und Plätzen. Niemals zuvor gab es einen solchen Drang nach Öffentlichkeit, eine solch trotzige Selbstvergewisserung. Theater, Performance und Tanz versuchen es mit Zustandsbeschreibungen, mit Dokumentartheater, dem Flüchtlingsthema, mit Sehnsüchten und Hoffnung im Angesicht der „Krise“. Und das nicht selten mit unerwarteter Opulenz.
Wie lange aber wird der Wille zu extremer Selbstausbeutung reichen, der auf all diesen Feldern zu beobachten ist? Und wie lange gibt es noch - zahlende - Zuschauer? Andererseits: Müssen von Zeit zu Zeit nicht ohnehin die Wege befragt werden auf denen Künstler ihr Publikum erreichen? Vielleicht birgt der Gang in die Nachbarschaften, das Besetzen von Brachen, das partizipative Moment von Begegnungen auch viele neue Chancen. Nicht nur in Griechenland.

altes Hotel Postkartenmotiv by Knut Geißler beschnitten
Von der Dokumenta genutzes, altes Hotel am Athener Omonia © Festival Off Europa / Knut Geißler

Off Europa hat lange und intensiv recherchiert und zeigt einen repräsentativen Querschnitt aus Formen und Themen, präsentiert wichtige griechische Künstler, ihre Arbeitsweisen und Positionen. Fünf der eingeladenen Aufführungen werden zum ersten Mal in Deutschland gezeigt. Wir freuen uns auf Ihre Neugier und auf Ihren Besuch.

Während es Off Europa einschließlich seines Vorgängers MANöVER in Leipzig nun bereits seit 1992 gibt, feiern wir in Dresden ein kleines, das 10. Jubiläum.

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