Off Europa: Türkei urban
Leipzig + Dresden, 15. - 21. September 2012

Sulukule Street
Foto © Festival Off Europa / Knut Geißler

oyun deposu Aptal, Siridan ve Suçlu Dumm, gewöhnlich und schuldig
Çıplak Ayaklar Kumpanyası Sen Balık Değilsin ki You are not a fish after all
Çağlar Yiğitoğulları Diss & Luvstory
Ilyas Odman Cam Adımlar Glassteps
Melih Gençboyacı Access to Anxiety
Ayrin Ersöz Dans Etmek ya da To dance or ...
Canan Erek TEZAT
Nebahat Erpolat Cultural Memory

LOFFT-WG / Präsentation Begüm Erciyas

Konzert Volkan Terror feat. Toby Dope
Konzert Büyük Ev Ablukada unplugged

Filme
Mein Haus stand in Sulukule
Bal (Honig)
Pazar (Der Markt)
Hamam (Das türkische Bad)

Land auf zwei Kontinenten
In Fatih Akıns Istanbul-Film „Crossing The Bridge“ aus dem Jahr 2005 ist oft von Europa und Asien die Rede. Der Blick nach Westen, das Fühlen als Europäer mit asiatischen Wurzeln, darüber reden Musiker, die beide Einflüsse in ihrer Musik verarbeiten.
Heute, etwa sieben Jahre später, haben sich die Türkei und insbesondere Istanbul schon wieder rasend verändert. Aus einem Land, von dem man in der Europäischen Union damals noch wenig wissen wollte, ist eine mindestens regionale Wirtschaftsmacht geworden. Istanbul ist ohne Zweifel eine der schönsten Städte Europas - die größte ist sie mit mehr als 16 Millionen Einwohnern ohnehin - bald wird sie eine der wichtigsten sein.
Für die darstellende Kunst bedeutet eine solche Art von Aufschwung wenig. Das İstanbul Şehir Tiyatroları, das Istanbuler Stadttheater hat fast zweihundert angestellte Darsteller und ist mit kleineren und größeren (Ab)Spielorten in vielen Stadtteilen präsent. Stolz ist man, dass die Theater immer voll sind, wohl auch weil die Eintrittspreise im ansonsten teuren Istanbul moderat gehalten werden.
Für freie Theater- oder Tanzprojekte allerdings gibt es wenig bis kaum Unterstützung, und es gibt nur wenige unabhängige Theaterorte. Das Talimhane-Theater unweit des Taksim-Platzes war zuletzt geschlossen, der wohl bekannteste Ort der letzten Jahre, Garajstanbul, etwas unterhalb der Zentrumsmeile İstiklal Caddesi, steht aus finanziellen Gründen kurz davor in eine Diskothek umgewandelt zu werden, das noch nicht lang existierende Studio des Zusammenschlusses „Çıplak Ayaklar Kumpanyası“ ist vom Abriss bedroht. Für die Künstler heißt das unterwegs zu bleiben, mit wenig Geld immer wieder von vorn zu beginnen.
Oder wie der Choreograph Ilyas Odman es beschreibt: „Es gibt keinen Nachteil oder Vorteil mehr unabhängig zu sein - das ist in diesen Tagen die einzige Art Kunst zu produzieren in der Türkei.“
Aufbrüche, Emanzipationsschritte, Momente von Befreiung... davon handeln alle der aus der Türkei eingeladenen Inszenierungen. Insbesondere junge Künstlerinnen befragen ihre noch immer fragile Stellung in der türkischen Gesellschaft. Selbstbewusst und bezwingend. Ihre männlichen Kollegen zeigen sich reflektierend und sensibel, aber auch tatkräftig und entschlossen. Als wollten sie Dialogbereitschaft signalisieren. Mit dem Publikum, mit der Gesellschaft.
(aus dem Vorwort des Programmheftes)