Off Europa: Ans Mehr
Leipzig + Dresden, 12. - 19. Oktober 2008

Naschende Frau
Foto © Festival Off Europa / Knut Geißler

Maisternia Pisni, Lwow Kvitka-nevista
Tatiana Gordeeva, Moskau Gallina Aquaticca
Nadia Tsulukidze, Tbilisi Fermata (Premiere)
Sasha Pepelyaev + APPARATUS Teatr, Moskau MUH TSOKUTUH
Teatrul Ariel, Targu Mures Amphitrite
Plavo pozoriste, Belgrad I sing like a bird
Iva Sveshtarova, Sofia 666
Ivo Dimchev, Sofia Concerto

Konzert Madame Schascha Berlin

Filme
Odessa, Odessa
Koktebel
La Mère - Die Mutter
Balaklava Odyssee

Ans Mehr: Europa 2.0
Ein neues, ein anderes Europa wird es wohl werden, das Gebiet um das „Schwarze Meer". Bereits aufgenommen in die „alte Welt" wie Rumänien und Bulgarien, beobachtet wie die Türkei oder umworben wie Russland, finden sich hier gleichermaßen große Ressourcen und Märkte. „Sehnsuchtsland", nicht nur für vagabundierendes Kapital, das ungeduldig auf politische Stabilität in der Ukraine oder Georgien wartet, um die Löhne, die in Rumänien und Bulgarien gezahlt werden, endlich unterschreiten zu können. Land der Sehnsucht auch für Entdecker, wie den Leipziger Geographen Jörg Werner, der das Schwarze Meer mit dem Fahrrad umrundet hat, oder den Kurator und Filmemacher Sebastian Kaiser, der sich Jahre lang bemühte, einen alten U-Boot Hangar der russischen Schwarzmeerflotte in der Sagen umwobenen Bucht von Balaklava zum Kunst-Ort zu machen.
Wie steht es in solch einer Zeit um die darstellende Kunst? Vor allem befindet sich alles in rasender Bewegung: Da gelten bulgarische Performer plötzlich weltweit als Festival-Geheimtipp, da gibt es jenes aufregende Kunstfestival auf der Krim, entstehen charismatische Spielstätten für freies Theater wie GARAJ in Istanbul, oder wird das unlängst eröffnete „Centrul National de Dans" in Bukarest gerade wieder aus dem Gebäude des Nationaltheaters verbannt. Da arbeiten Künstler wie Sasha Pepelyaev viele Jahre verstärkt im Ausland - um endlich auch in Moskau anzukommen, oder sie meiden die großen Städte wie das Ensemble „Maisternia Pisni" oder der Regisseur Horatiu Mihaiu, um ungestört arbeiten zu können.
Zwischen Lwow, Sofia und Istanbul werden Traditionen bewahrt, aber auch neue Sehgewohnheiten provoziert. Es werden surreale Bilder geträumt und neue Blicke ausprobiert. Manchmal scheinen selbst die Künstler von den Ergebnissen überrascht, wie Sasha Pepelyaev von den Möglichkeiten in den virtuellen Räumen von MUH TSOKUTUH, oder Ivo Dimchev über die Emotionen, die er auszulösen vermag.
„Off Europa"  hat in Europa Süd Ost gesucht - nach einem formal breit gefächerten Programm, das sich vor allem über die beteiligten Künstler definiert, die - jeder auf seine Weise - auf ungewöhnlichen Wegen unterwegs sind.
Liebe Leipziger, und - erstmals - liebe Dresdner,
vergessen Sie Begriffe und Kategorien wie „Theater" oder „Tanz". Freuen Sie sich auf außergewöhnliche Begegnungen mit zeitgenössischer darstellender Kunst.
Lesen Sie die Beschreibungen der Abende - und kommen Sie „Ans Mehr".
(aus dem Vorwort des Programmheftes)

Man staunt immer wieder was auf der Bühne so möglich ist, wie erfindungsreich Theaterleute sein können. Und Festivalchefs natürlich auch.
(Gabriele Gorgas für „Dresdner Neueste Nachrichten“)