MANöVER 2004 - Deutsche Schule
Leipzig, 20. - 24. Oktober

Schulanfang
Foto © Helmut Spinka

Anja Gronau, Hamburg/Berlin Trilogie der klassischen Mädchen
Joachim von Burchard, Hildesheim/Göttingen Deutschlandrasen
MEINUNGSBILDUNGSINSTITUT, Gießen alpha alpha
mamouchi, Hildesheim/Basel komm heim
Anne Bösenberg, Hanna Linn Wiegel, Gießen gerne zuschauen
Charlotte Könenkamp, André Schallenberg, Gießen sub rosa
Paul Wiersbinski, Gießen BertoldBrechtBigBrotherKunstKaufhausVideoMix
Theater fensterzurstadt, Hannover Ich Ich Ich

MANöVERpodium Theater als Theaterforschung
Geisterdisko
Achtner / Hofmann, Leipzig open source shadowprint

MANöVER 2004 präsentiert die jüngste Generation professioneller deutscher Theatermacher. Studierende und Absolventen der angesagtesten Institutionen, die sich mit zeitgenössischer darstellender Kunst beschäftigen.
Während die Regieausbildung in Hamburg immer schon einen guten Ruf genoss, häufen sich in jüngster Zeit die Erfolgsregisseure und -gruppierungen, die ihr Handwerk und/oder das, was damit zu tun hat, in Gießen oder Hildesheim gelernt haben. Erinnert sei beispielsweise nur an Helena Waldmann, Stefan Pucher, an Performancegruppen wie She She Pop, Showcase Beat le mot oder Teile von Gob Squad, Projekte wie hygiene heute und Rimini Protokoll, Sebastian Nübling oder Albrecht Hirche.
Seit einigen Jahren kommt so in das ewig gleiche deutsche Theater ein anderer Wind: Klassiker werden nicht mehr nur hörspielartig zelebriert, sondern skelettiert, dekonstruiert, gesampelt und/oder „ausgekoppelt“. Gruppendynamische Recherche und Forschung sind plötzlich salonfähig oder gar der letzte Schrei. Texte entstehen als Teil des Probenvorganges, bleiben in Bewegung, werden mit Alltag, Weltgeschehen und/oder Literatur angereichert. Neue Medien werden nicht von (groß)väterlichen Regisseuren anbefohlen, sondern auf ihre Fähigkeiten und Wirkungsweisen abgeklopft.
MANöVER zeigt nicht alles, was im jungen deutschen Theater möglich ist, kann nicht all das zeigen, zeigt vielmehr einen nicht repräsentativen Querschnitt junger Kreativer, die vielleicht fähig sind, in einigen Jahren Teil des Theateralltags zwischen Basel, Hamburg und Tallinn zu sein.
Etwas kann dieser MANöVERjahrgang aber auf jeden Fall beweisen: Bei allen formalen Experimenten, bei aller Zuhilfenahme theaterfremder Mittel; das Theater darf wieder politisch sein. Es zeigt seinen Widerstand gegen innergesellschaftliche und geopolitische Entwicklungen und es ist endlich wieder stolz darauf, dass dieser Widerstand manchmal böse klingt und wie eine Fratze aussieht. Eine lange Periode des bloßen Entertainments im ambitionierten Freien Theater scheint im Moment vorbei. Wenn die Zuschauer zurück ins Theater finden, dann tun sie es auch deshalb. Man will wieder etwas voneinander.
(aus dem Vorwort des Programmheftes)