Interview im Magazin "Dresdner"


Material zu einem Interview mit Festivalleiter Knut Geißler für das Stadtmagazin "Dresdner".

Sind Sie der alleinige Organisator des Festivals? Obliegt Ihnen die Auswahl und Koordination der Beiträge?
Veranstalter von Off Europa ist das Büro für Off-Theater, dessen Geschäftsführer ich bin. Meine Hauptarbeit ist das Festival. Natürlich gibt es ein paar Personen im Umfeld, Berater, Ideengeber, und ein paar Mitarbeiter in den Tagen der Durchführung, aber im Wesentlichen arbeite ich allein. Entscheide über die Ausrichtung, reise, wähle aus und organisiere.

Monocrossing female dancer by Iosif Astrukov
Foto aus Monocrossing, am 24. September im Societaetstheater © Iosif Astrukov

Was ist für Sie das Besondere an der bulgarischen Theater-/Film-/Performancekunst? Was unterscheidet also das Off Europa dieses Jahr von den vergangenen Jahren...
Bulgarien ist natürlich anders als die Türkei oder die Slowakei. Die Bedingungen, die Art der Zusammenarbeit, die Themen mit denen Künstler sich beschäftigen. Meine Arbeit, besondere Qualitäten, die interessantesten Künstler aufzuspüren, beginnt unter neuen Vorzeichen jedes Jahr von vorn, ist ein tiefes Eintauchen in einen fremden Kosmos. Prinzipiell aber gibt es wenig Unterschiede zu anderen Ländern der Region, oder zwischen Städten wie Sofia, Bukarest oder Belgrad. Man kennt sich, trifft sich bei vielen Gelegenheiten, ist gut vernetzt. Es gibt viel Bewegung weil ständig Leute ins Ausland wechseln oder von dort nach Bulgarien zurück kehren. Das mischt die Konstellationen permanent. Und hält durch vielfältigste Einflüsse die Qualität hoch. Man hat weniger Geld als in Mitteleuropa, klar, muss also etwas mehr improvisieren. Aber gerade das atmet große Freiheit. Und hilft oft eine andere Art von Selbstbewusstsein und Persönlichkeit zu entwickeln.

Gibt es im Programm thematisch einen „roten Faden", oder ein Kriterium, nach dem in diesem Jahr die Beiträge ausgewählt wurden?
Ein solches Programm in einer Bandbreite von experimentellem Tanz bis Dokumentarfilm balanciert sich durch die Auswahl komischerweise beinahe von selbst aus. Weil man natürlich nichts einlädt was nicht zeigenswert wäre. Die Auswahl ist eine Abwägung: Was ist auffällig, was kann etwas erzählen, zeigt etwas über das Land, die Umstände dort? Was davon ist außerhalb Bulgariens nachempfindbar? Auch weil es bei mancher Produktion Sprach- oder Verständigungsbarrieren gibt oder sie zum ersten Mal nach Westeuropa reist. Das geht bis hin zu Unterschieden in der Rezeption in Leipzig und Dresden. In Dresden haben wir sechs Tage Programm. Und neben Gesprächen, Musik und Filmabend sechs Aufführungen an Theater, Tanz, Performance.

Was sind Ihre persönlichen Highlights unter den Darbietungen? Haben Sie besondere Empfehlungen?
Da sind meine Vorlieben sicher nicht entscheidend. Zuschauer sollten sich am Ehesten an den Genres orientieren. Als Soloperformer immer interessant, anregend und provokant ist Ivo Dimchev. Für Liebhaber reinen Tanzes empfiehlt sich „Monocrossing“ von Derida Dance. Eher experimentell, aber auch augenzwinkernd sind die Aufführungen der Teams von Irina Goleva und Willy Prager. Über Menschen im heutigen Bulgarien erzählt am meisten das Dokumentartheater von Vox Populi.

Wie würden Sie das Ziel Ihres Festivals definieren? Was soll dem Zuschauer vermittelt/in ihm bewegt werden?
Im Mittelpunkt stehen zunächst die Länder. Über die im Detail nur wenige Leute etwas wissen und über die bei uns wenig zu erfahren ist. Und die Künstler dort, die durch oft oberflächlich operierende internationale Gastspiel-Netzwerke kaum Chancen haben entdeckt oder auch nur wahrgenommen zu werden. Es ist mir wichtig, dass diese Künstler eine Möglichkeit bekommen sich in Mitteleuropa zu zeigen. Das geht immer etwas unter, aber wir, also Off Europa und damit Leipzig und Dresden, waren in vielen Fällen eine Art Sprungbrett oder Katalysator für internationale Beachtung. Dass eine solche Präsentation gleichermaßen interessant für einheimische Theaterschaffende und Zuschauer ist liegt auf der Hand. Wir reden von sehr gut ausgebildeten, selbstbewussten Künstlern aus größeren Städten als Leipzig und Dresden.

Gibt es in Dresden etwas zu sehen, was in Leipzig nicht aufgeführt wird?
Das Programm in Dresden ist zumeist ein wenig kleiner, allein schon weil wir in Leipzig mit zwei Filmkunsthäusern zusammenarbeiten. Eines davon gestaltet einen Abend mit Filmen aus Bulgarien in eigener Verantwortung und Regie. Diese Filme wird es in Dresden nicht geben. Eine Vorstellung immerhin gibt es in Dresden exklusiv: Der Performer Ivo Dimchev reaktiviert für das Societaetstheater sein autobiographisches Stück „Som Faves“. Das wurde vor beeindrucktem Publikum vor einigen Jahren bei der Leipziger „euro-scene“ gezeigt. Für Dresden holen wir das jetzt quasi nach.

Würden Sie sagen, dass das Dresdner Publikum aufgeschlossen gegenüber der osteuropäischen Kunst ist oder gibt es da Nachholbedarf? Gab es einen besonderen Grund oder Anlass, das Festival 2008 auch auf Dresden auszudehnen?
In Leipzig ist Off Europa etabliert. Das heißt die Leute reagieren zuverlässig darauf. Und die Hauptspielstätte LOFFT ist ein anerkannt guter Ort für diese Art von zeitgenössischer Kunst. Auch wenn natürlich nicht jeder, der Interesse an beispielsweise Georgien hat, nach drei Jahren zu einer Tanzperformance aus Bosnien wiederkommt. Auf Dresden auszudehnen war ein alter Wunsch. Die Arbeit wurde etwas nachhaltiger. Schließlich bedeutet es einen gewissen Aufwand eine Karawane von etwa 40, 50 Künstlern in Bewegung zu setzen. Mittlerweile haben die Künstler mehrere Auftritte. Auch schon in Chemnitz wenn es sich anbot. Die Neugier in Dresden war in den ersten Jahren erfreulich groß. Das hatte zuletzt leider etwas nachgelassen. Vielleicht wird Off Europa in Dresden immer noch etwas als Fremdkörper wahrgenommen. Ein ganzes Festival zu Gast, das bedeutet vielleicht auch ein Vermittlungsproblem, aber ich denke Off Europa ist seit 2008 eine große Bereicherung für den Theateralltag in der Stadt. Einer Stadt, die traditionell eine besser entwickelte Beziehung zu Osteuropa hat als zum Beispiel Leipzig.

Die Fragen stellte Willy Barthold.

Programmänderung am 23. September


Hier muss natürlich auch das vermerkt werden: Eine Programmänderung am 23. September. Wir haben auf Bitte von Ivo Dimchev sein brandneues Werk
ICure, Premiere weit nach unserem Auswahlschluss Anfang August bei ImPulsTanz in Wien, ins Programm genommen. Dafür müssen die Zuschauer in Leipzig auf die mittlerweile fast zehn Jahre alte "Lili Handel" verzichten. Wer weiß ob die noch länger gespielt wird...

In Dresden am 25. September bleibt es bei Som Faves.
Zu ICure lassen sich im Netz mehrere Kritiken finden. Wir lasen zuerst eine auf nachtkritik.de...

Im Kreuzer im September


Fragen von Mathilde Lehmann und Antworten von Knut Geißler im Zusammenhang mit einem Artikel im Septemberheft des Leipziger Kreuzer.

Jedes Jahr wird bei Off Europa freie darstellende Kunst aus einem anderen Land Europas vorgestellt. Dieses Jahr ist das Thema: Discover Bulgaria. Wie kam es dazu?
Bulgarien stand schon lange auf der Liste. Bei der Balkan-Tanz-Plattform 2007 in Athen waren Bulgaren wahrscheinlich nicht nur für mich eine Offenbarung; die formbewusstesten, kräftigsten Performer. Der Mut von Künstlern wie Ivo Dimchev oder Krassen Krastev, die formale Strenge von Galina Borissova haben Maßstäbe gesetzt. So etwas verfolge ich. Und lerne gern auch die kennen, die an so etwas anknüpfen.

Plakatmotiv Off Europa 2014 beschnitten
Ausschnitt aus dem Plakat. Foto: Boriana Pandova. Gestaltung: Gabi Altevers

Mit welchen Kriterien entscheiden Sie über die Auswahl der Produktionen, die zu sehen sein werden? Welche ästhetischen Schwerpunkte werden gesetzt?
Das hat viel mit Balance zu tun. In einer Bandbreite zwischen experimentellem Tanz und Dokumentarfilm. Was ich dann auswähle ist vor allem eine Abwägung: Was ist auffällig, was kann etwas erzählen, zeigt etwas über das Land, die dortigen Umstände? Was davon ist nachempfindbar? Auch weil es bei mancher Produktion Sprach- oder Verständigungsbarrieren gibt oder sie zum ersten Mal nach Westeuropa reist. Das geht bis hin zu Unterschieden in der Rezeption in Leipzig und Dresden. In Leipzig so meine Empfindung ist das Publikum in den letzten Jahren wieder neugieriger geworden.

Wie organisiert sich Theater in Bulgarien - Stadttheater, freie Szene, kann mit unseren Begriffen überhaupt analog hantiert werden?
Das ist genauso getrennt, also sehr ähnlich. Einschließlich einiger „Nischen“ an Stadttheatern wie der hiesigen „Residenz“ in der Spinnerei, wo versucht wird das Publikum etwas zu verjüngen oder „Hippness“ anzutäuschen. Der große Unterschied ist, dass in (Süd)Ost-Europa das Freie Theater oft als das zeitgenössische oder gar das „Neue Theater“ bezeichnet wird. Da gibt es trotz schlechter Arbeitsbedingungen viel Selbstbewusstsein. Ich rede natürlich von großen Städten, größer als Leipzig und von gut ausgebildeten Künstlern.

Können Sie einen Vergleich anstellen zwischen zeitgenössischem Tanz in Bulgarien und woanders? Gibt es denn, wenn, eine Tendenz (formal oder inhaltlich) vor Ort?
Noch deutlicher als hier sammeln sich die Unruhegeister, die Charismatiker in den Hauptstädten. Und da gibt es wenig Unterschiede zwischen Sofia, Bukarest oder Belgrad. Es ist ein Kommen und Gehen, viele Künstler arbeiten zeitweise im Ausland, so dass alles nicht wesentlich anders funktioniert oder aussieht als in Westeuropa. Man hat weniger Geld, klar, muss also etwas mehr improvisieren, vielleicht. Aber gerade das atmet große Freiheit.

Gönnen Sie mir einen Ausblick - welche Länder würden Sie gerne als nächstes dem Publikum in Leipzig und Dresden Zugang verschaffen und warum?
Ich habe mich gerade von der Idee Ukraine verabschiedet. Der nächste Stop wird Kroatien sein. Für MANöVER/Off Europa das letzte unentdeckte Stück Ex-Jugoslawien, weil das künstlerisch bisher am wenigsten auffällige. Die Gründe sind immer die gleichen: Neugier auf Menschen und ihre (Arbeits)Umstände. Und Hoffnung auf interessantes Theater.

Die Fragen stellte die Autorin Mathilde Lehmann im Juli 2014.

Trailer zu "Discover Bulgaria"


Hier der Clip zu „Off Europa: Discover Bulgaria" .
Die Musik stammt aus der Aufführung Identity von Irina Goleva, am 20. September in Leipzig im UT Connewitz und am 23. September in Dresden im Societaetstheater, dort live gespielt von Hristina Beleva auf der Rebek, einem mittelalterliches Streichinstrument, einem Vorläufer der Violine.


© lnrdshelby 2014

Programmheft fertig


Das Programmheft zu „Off Europa: Discover Bulgaria" ist fertig.
Gestaltet von
Gabriele Altevers.

Wer auf das Foto klickt wird auf dieser Seite zum Programm geleitet,
über den Link darunter lässt sich das Programmheft ansehen und ggf. downloaden.

Programmheft Off Europa 2014
Programmheft Off Europa 2014

Anzeige Programmheft euro-scene


Anzeige für das auf den Innenseiten schwarz-weiß gedruckte Programmheft der Leipziger euro-scene. Mit dem Verweis auf das Land für 2015: Kroatien.
Das Foto von Anna Bacheva zeigt den Strand von Kara Dere in Bulgarien, gestaltet wurde die Anzeige von Gabi Altevers.

Anzeige Off Europa im Programmheft der euro-scene

Banner für die L-IZ


Banner Off Europa L-IZ 300 x 120

Nettes Teil: Banner für unseren Medienpartner Leipziger Internet Zeitung.
Dank für die Gestaltung an Gabi Altevers.

Eine erste Printanzeige


Eine erste Anzeige zu "Off Europa: Discover Bulgaria" gestaltet von unserer Graphikerin Gabi Altevers für das Programmheft des Leipziger Bewegungskunstpreises.

Anzeige Bewegungskunstpreis
© Wikipedia / joadl / Cc-by-sa-3.0-at

Off Europa: Discover Bulgaria - zum Programm


Das Programm für „Off Europa: Discover Bulgaria" - vom 19. bis 28. September in Leipzig und Dresden - steht im Wesentlichen fest.
Im UT Connewitz, im LOFFT - Das Theater (beides in Leipzig) und im Socieatetstheater Dresden werden unter anderem zu erleben sein...


Martin Penev & Stanislav Genadiev, Sofia
Big Gun
Big Gun Pose by Mariza Kolcheva
Foto © Mariza Kolcheva

Irina Goleva / Сдружение „По действителен случай“, Sofia
Identity
Identity Christina und Irina by John Fru Jones
Foto © John Fru Jones

Jivko Jeliazkov / Derida Dance Company, Sofia
Monocrossing
Monocrossing Füße by Iosif Astrukov
Foto © Iosif Astrukov

Ivo Dimchev, Sofia/Wien/Brüssel
Lili Handel (nur in Leipzig)
Lili Handel Trumpet in the face by
Foto © Tamas Katko

Ani Vaseva, Sofia
Allesfresser / Всичкоядецът (nur in Leipzig)
Vsichkoiadezat Sofa by Georgi Sharov
Foto © Georgi Sharov

Ivo Dimchev, Sofia/Wien/Brüssel
Som Faves (nur in Dresden)
Some Faves Künstler by Marian Ivanov
Foto © Marian Ivanov

Vox Populi - Studio für Dokumentartheater, Sofia
Яце форкаш / Yatze Forkash
Yatze Forkash mit Projektion und Akkordeon by Michail Georgiev
Foto © Michail Georgiev

Willy Prager, Sofia/Berlin
Transformability
Transformability Tanz by PromoArtStudio
Foto © PromoArtStudio

Details zum Programm sind ab jetzt hier... zu lesen.

Nächster Halt: Bulgarien


Im September 2014: Bulgarien.
Off Europa Motiv 2014
Gestaltung
Gabriele Altevers