Let' go (2): Zittau


Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Das seit 2007 alle zwei Jahre geplante Festival des Sächsischen Landesverbandes Freier Theater hätte 2011 in Leipzig stattfinden sollen. Weil hier aber niemand so richtig veranstalten wollte, versuchten zunächst ein paar Aktivisten aus Dresden in die Bresche springen, bevor der Vorstand des Verbandes das Vorhaben zurück in die eigenen Hände nahm - und ein Stadttheater als Partner gewinnen konnte.
Nun findet OFF 11 in Zittau statt, am Gerhart-Hauptmann-Theater. Im Januar 2012.

Im Folgenden zitiert aus der Einladung: Vom 24. bis 27. Januar wird es "mit 13 Produktionen auf 3 Bühnen einen beachtlichen Querschnitt an Theaterschaffen in Sachsen" geben. Außerdem "3 Podien zu den Themen *Theater auf`s Land!*, *Theater in der Schule* und *Stadttheater und Freie Szene, Hand in Hand*, sowie einen *Marktplatz der Kooperationen* am 26. Januar, auf dem interessierte Mitglieder sich und ihre Projekte allen Festivalbesuchern, insbesondere den Teilnehmern des Sächsischen Bühnenvereins, vorstellen können."

Mit Inszenierungen eingeladen sind *Die Dramaten*, *Cindy Hammer*, *Liron Dinovitz*, das *Panische NoTheater*, die *shot AG*, *Mascara- Maskerade der 7 Todsünden*, *Armes Theater*, *Handa Gote* , die *Tanzcompany des Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau / wee dance company*, das *Büro für theatrale Strategien*, *Das Üz & die lekkere Compagnie* , sowie *Theaterschafft*.

Für den Landesverband ausgewählt und organisiert hat Michael Paul Milow (Büro für theatrale Strategien), seines Zeichens Schauspieler/Regisseur und Programm-Macher am weltecho in Chemnitz.

Also... (sächsische Theater-) Kollegen: Akkreditieren lassen - und hinfahren. Und "die Schneeschuhe nicht vergessen, gilt doch Zittau als hervorragendes Langlaufgebiet!"

Let's go (1): Slovakia


Es schwebten verschiedene Ideen im Raum für den Off Europa-Jahrgang, der sich 2013 an die türkische Ausgabe anschließen soll. Letztlich hat sich eine der vermeintlich unspektakuläreren durchgesetzt: Die Slowakei.

Gründe dafür gibt es einige: Der Wunsch - nach Albanien und der Türkei - den Ball wieder in ein anderes Feld Europas zu spielen, wodurch z.B. Bulgarien ausschied. Ehemaliges Jugoslawien etwas zur Seite zu schieben, was Kroatien aus dem Blick nahm. Eine "Hinwendung" zu Nordafrika weiterhin auszuschließen. Und/oder keine Lust auf (das aktuelle) Budapest, womit Ungarn vom Tisch war
Wir knüpfen also jetzt an die guten Erfahrungen des Jahres 2010 mit Tschechien im "Nahbereich" an. Und freuen uns auf Theaterorte wie Žilina oder Banská Bystrica. In denen - vor allem im Bereich Tanz und Performance - viel mehr passiert als man gemeinhin annehmen würde.

Farma v Jeskyni in Potsdam bei Unidram


Schon im Programmheft von Off Europa 2010 (dem Jahrgang, der sich mit Tschechien beschäftigte) fand sich eine dringende Empfehlung nach Prag zu fahren, um "Divadlo" (Theater), die aktuelle Inszenierung von "Farma v Jeskyni" zu sehen. Ende 2010 bekam Regisseur Viliam Dočolomanský dann auch den "Europäischen Theaterpreis" für "Neue Realitäten im Theater".
Das Ensemble macht es nun etwas einfacher... kommt etwa 80, 90 km näher an Leipzig heran und gastiert am 2. und 3. November in Potsdam bei UNIDRAM.


Hier geht es zum Programm des Festivals...

Kritik: Shoshë im LOFFT


"Flötentöne hauchen Windgeräusche, ein Piano spielt den Mond an, ein Tenor aus dem Off besingt ihn. Davon betört, geht der Mond gemächlich auf. Er zeigt sich in seiner ganzen Schönheit und hüllt den Raum in sein mystisches Licht. Vom Mond hypnotisiert, verlassen wir die Erde und tauchen ein, in einen anderen, grenzenlosen Raum. Wir fassen Fuß in einer Welt, die nach anderen Mustern funktioniert, von Gedichten, Musik und Bewegungen getragen wird und alle Sprachen spricht – in der Welt der Kunst."


Dass die Aufführung - trotz weniger Zuschauer in Dresden und auch in Leipzig - hörens- und sehenswert gewesen sein muss bezeugt die Besprechung von Sarah Schramm auf Leipzig Almanach...

Im Blick: Udhëtimet e Lizës


"Es gibt Orte auf der Welt, über die man wenig bis gar nichts weiß. In Südosteuropa gibt es ein Land, das Albanien heißt und auf ein Gewohnheitsrecht zugreift, das so manche Zeitgenossin schlucken lässt. Es geht um Blutrache, Abtreibungen im fünften Monat, Vergewaltigung, Unterdrückung - mitten im 21. Jahrhundert."

Über die Aufführung Udhëtimet e Lizës (Alices Reisen) von Enton Kaca und Teatri i Ri aus Tirana schreibt Daniel Thalheim am 22. September in der Leipziger Internet Zeitung und auf Leipzig Almanach macht sich Alexandra Hennig Gedanken über "Macht, Ehre und Tod" - und über kulturelle Unterschiede.

Teatri Oda in Dresden


"Albanien? Kosovo? Balkan. Krisengebiet. – Diese einfach abzuspulende Assoziation dürfte dominieren, würde man die Eingangsfragen nach besagten Ländern stellen. Aber was liegt eigentlich hinter den Schlagzeilen, hinter dem ganzen Es-wird-nur-berichtet-wenn’s-Tote-gibt? Wenn Landstriche medial so stark von einem Konflikt geprägt sind, finden dann andere Lebensumstände, die nichts mit einem schwelenden Streit um Grenzen und internationale Anerkennung zu tun haben, Kanäle, um über sich mitzuteilen? Vielleicht nicht in den Nachrichten. Im Theater schon."

Über die Aufführung Kanuni des Teatri Oda aus Prishtina schreibt Torsten Klaus am 21. September in den Dresdner Neuesten Nachrichten...

Post(er) aus Tirana


Udhetimet e Lizes web

verlinkt mit der Veranstaltung...

Mich langweilt diese ständige Gier nach Erneuerung


Sein Fokus liegt auf östlichen Mitteleuropa sowie auf Südosteuropa. Dort gibt es spannendes Tanz- und Szenetheater. Der Leipziger Autor und Regisseur Knut Geißler veranstaltet seit 1992 jenes Tanztheaterfestival, das seit 2005 "Off Europa" heißt. Im L-IZ-Interview erzählt er wie sein Blick auf Albanien und Kosovo fiel und was er dort vorfand.

„Off Europa“ steht bald ins Haus mit einem Blick auf Albanien und Kosovo. Warum diese beiden Länder?
Prinzipiell gibt es sehr viele Länder, die mich brennend interessieren. Weil man im Normalfall wenig über sie erfährt. Da gerät logischerweise irgendwann auch Albanien in den Blick. Andererseits: Was Theater und Tanz betrifft, versuche ich früher da zu sein als die großen Veranstalter, die Künstler immer erst einladen wenn sie „geprüft“ sind und Erfolg versprechen. Ich prüfe lieber selbst. Im nächsten Jahr werde ich mit der Türkei zum ersten Mal einem aktuellen Hype hinterher recherchieren. Aber auch das wird interessant. Dann findet man die Dinge unter den Oberflächen. Politisch brisant wäre im Moment wohl Ungarn. Aber man kann sich nicht zerreißen.

Gibt es Unterschiede zu den anderen Staaten, die schon thematisch bei „Off Europa“ auftauchten?
Albanien und vor allem das Kosovo sind noch mehr „abgetrennt“ vom restlichen Europa als zum Beispiel Bosnien oder Serbien. Eine Folge der besonders extremen Auslegung des Sozialismus in Albanien und der letztlich „künstlichen“ Einbettung eines überwiegend von Albanern besiedelten Landstriches in die südslawische Föderation. Allein wenn man das so betrachtet ist die Loslösung und Unabhängigkeit des Kosovo folgerichtig. Genauso wie das Ausschließen einer albanischen Wiedervereinigung Unsinn ist.

Wie schätzt Du die (Tanz)-Theaterszene in Albanien und Kosovo persönlich ein - gibt es dort Entwicklungen, die neu oder anders sind als die im übrigen Europa?
Mich langweilt diese ständige Gier nach Erneuerung. Mich interessiert eher Vertiefung, das genauere Hinsehen. Und da gefällt mir die Gelassenheit, mit der man fast überall in Süd-Ost-Europa eigene Wege geht. Nichts unbedingt Neues erfindet, aber eben auch nicht jedem Trend hinterher hechelt.

Lesen Sie weiter hier...
Die Fragen stellte Daniel Thalheim.
Quelle: www.l-iz.de

Videoclip zu univers shqiptar


Jetzt ist auch das Video zum Festival da...



© lnrdshelby 2011

Interview Shekulli


In der großen albanischen Tageszeitung Shekulli wurde am 26. August ein Interview mit Knut Geißler veröffentlicht. Ein Auszug...

Bild 1

Why this tribute to albanian culture?
Es ist die Neugier, die ein solches, eher kleines und spezielles Festival am Leben hält. Und die ständige Neuausrichtung. Natürlich nicht mit dem Finger auf der Landkarte, sondern geleitet von der Frage, was von Bedeutung, von Interesse sein könnte. Albanien ist in Zentraleuropa ganz sicher ein kommendes Thema. Und eine Beschäftigung mit Kunst und Kultur dann das Meinige.

What did you know before and now about this culture?
Wenn man wenig über ein Land weiß - das fängt ja bereits mit Geographie an und geht weiter über die Infrastruktur – ist meine Arbeit immer eine Entdeckungsreise mit großem Gewinn. Ich kannte zuvor nur sehr wenige Theaterkünstler, habe mich auf mehreren Reisen sozusagen heran gefragt, heran getastet, nach persönlichen Anknüpfungspunkten gesucht. Ich bin immer etwas skeptisch gegenüber diesen großen Institutionen und Autoritäten, die – wie Sie wissen – auch in Albanien das Theater in Wesentlichen ausmachen. Mein Eindruck ist, dass das Theater in Albanien vor allem eine Art „Dienstleistung“ ist. Wirkliche Kunst, Experimente sind die Ausnahme, sind Gelegenheiten vorbehalten, die keine bestimmten Erwartungen bedienen müssen.

Could you make any comparison between the projects from different parts of this world and how do they approache to albanian topics?
Da müsste ich zurück fragen, was ein typisches albanisches Thema wäre. Im Kosovo ist das sicher schon völlig anders als in Albanien selbst. In der Diaspora bleibt oft nur die Mitteilung, dass die... oder derjenige... „eigentlich aus Albanien stammt“. Deshalb spielte für mich jemand wie der in Frankreich lebende Choreograph Angelin Preljocaj auch keine Rolle, weil er wenig bis nichts mit Albanien zu tun hat. Ansonsten sehe ich mich nicht in der Situation etwas bewerten zu wollen. Ich versuche einfach das Land, die Kultur der Region über ihre zeitgenössische darstellende Kunst vorzustellen. Auch weil das sonst selten jemand tut.

Do you have know any clearer definition about albanian culture?
Ich kann nach drei Reisen nicht so tun als ob ich Ihr Volk, Ihre Kultur begriffen hätte. Ich habe nur ein ziemlich plastisches Gefühl dafür entwickelt, dass diese Phase großer Abschottung im Falle Albanien und die Auseinandersetzung mit (oder die Abgrenzung von) den Serben im Kosovo Ihr Volk sehr geprägt, möglicherweise auch sehr verändert haben. Und so etwas hat immer Einfluss auch auf Kunst und Kultur. Wenn man zu diesen Erfahrungen Ihre starken Traditionen hinzudenkt, den Familienzusammenhalt, auch den Stolz... dann ist das ein großer Schatz, ein Reservoir aus dem man als Mensch in einer sich immer ähnlicher werdenden Welt schöpfen kann.

Die Fragen stellte die Theaterredakteurin Elsa Demo.
Zum gesamten Artikel - natürlich auf albanisch - gelangen Sie hier...